15.03.2021 | Autor: Antje Strahl | Lesedauer: 6 Minuten

Resilienz

Die Stärke der Erfolgreichen

15.03.2021 | Autor: Antje Strahl
Lesedauer: 6 Minuten

Seit nunmehr einem Jahr befinden wir uns weltweit im Ausnahmezustand. Beruflich wie privat lässt sich feststellen, dass es Unterschiede im Umgang mit der Situation gibt: Gleich betroffen heißt nicht gleich belastet – doch woran kann das liegen? Das Zauberwort liegt im Begriff der Resilienz. Was hat es damit auf sich und wie kann ich die Krisenfestigkeit meines Unternehmens gezielt ausbauen?

Antje Strahl
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Der Begriff Resilienz: Aus der Werkstoffkunde in die Psychologie

Das Wort Resilienz leitet sich vom lateinischen Wort „resilere“ ab und bedeutet „zurückspringen“ oder „abprallen“. Der Begriff wurde ursprünglich in der Werkstoffkunde verwendet und beschreibt die Fähigkeit eines Stoffes, nach einer Verformung wieder in seine ursprüngliche Form zurückzukehren. Ein altes japanisches Sprichwort besagt: „Einen Sturm übersteht der Biegsame am besten“ – und dieses Sprichwort transportiert die Übertragung des Begriffes Resilienz aus der Werktstoffkunde in den gesellschaftlich-sozialen und psychologischen Kontext: Resilienz bedeutet biegsam zu sein und beschreibt damit die Fähigkeit von Gesellschaften und Individuen, Krisen und unvorhersehbare Situationen (wie zum Beispiel Schicksalsschläge oder aktuell pandemiebedingte Veränderungen) unbeschadet und mittels eigener Ressourcen erfolgreich überwinden und zu alter Stärke zurückfinden zu können – oder besser noch: an diesen Situationen zu wachsen.

Die Bedeutung von Resilienz in der aktuellen Zeit

Dass im aktuellen Weltgeschehen der Resilienz eine besondere Bedeutung zukommt, kann nicht unberücksichtigt bleiben – steht das Wort „Resilienz“ doch für Belastbarkeit und Widerstandsfähigkeit in schwierigen Situationen und unsicheren Zeiten. Spätestens seit März 2020 hat der Begriff eine höhere Präsenz in der Gesellschaft erfahren, da jeder Mensch im Arbeitskontext, sozial und auf persönlicher Ebene, in irgendeiner Weise von der Pandemie betroffen und belastet ist.

Im geschäftlichen Bereich stellt die Pandemie Unternehmen, Führungskräfte und alle Mitarbeiter vor Herausforderungen. Es entstehen Überlastungssituationen durch die enorm gestiegene tägliche Arbeitslast, wie beispielsweise im Gesundheitssektor oder in vielen Logistikunternehmen. Auch das Thema New Work und die entstandene Notwendigkeit der Digitalisierung (auch durch das dezentrale Arbeiten im Homeoffice) hat eine schnelle Anpassung notwendig gemacht. Hinzu kommen zweifelsohne individuelle private Belastungssituationen. Kurzarbeit, der (zeitweise) restriktionsbedingte komplette Verlust von Umsätzen wie im Friseurhandwerk, der Gastronomie oder im Kulturbereich sind nur die wirtschaftlichen Sorgen von Einzelpersonen. Hinzu kommen Krankheits- und Verlustängste, familiäre Heraus- und Überforderungen durch Themen wie Homeschooling oder eben der bereits angesprochenen gestiegenen Arbeitsbelastung. Den Wenigsten fällt es leicht, in der Krise gelassen zu bleiben und dies bringt die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit dem Thema Resilienz nur noch deutlicher hervor.

Resilienz im Unternehmenskontext

Auch für Unternehmen bedeutet Resilienz, die Krise unbeschadet zu bewältigen und bestenfalls gestärkt aus ihr hervor zu gehen. In einem resilienten Unternehmen sind die Mitarbeiter besser als andere darin, Krisensituationen widerstandsfähig zu beherrschen, aus ihnen zu lernen und gemeinsam zu wachsen. Stephen Hawking formulierte es ganz treffend: „Intelligenz ist die Fähigkeit, sich dem Wandel anzupassen.“ Diesem Gedanken stimmen wir sicher alle unbestritten zu, bedeutet er doch gleichzeitig, kluge Unternehmen sind resilienter als andere Unternehmen. Sie stellen sich strategisch so auf, dass Strukturen, Prozesse und Rahmenbedingungen die Resilienz im gesamten Unternehmen fördert, im besten Fall aktiv entwickelt. Bringt man also Resilienz und Krisenfestigkeit zusammen, so ist die Resilienz nicht nur ein wichtiger Erfolgsfaktor, sondern elementar für die Zukunftsfähigkeit eines jeden Unternehmens.

Eine repräsentative Umfrage aus dem Jahr 2020, durchgeführt von der GfK im Auftrag von Microsoft und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, untersucht die Fähigkeit zur Bewältigung von Krisen und zeigt, dass viele deutsche Unternehmen gute Voraussetzungen haben, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Dabei waren Digitalisierung, Flexibilität und eine moderne Arbeitswelt entscheidende Erfolgsfaktoren in der Bewertung. Ebenfalls hat die Umfrage gezeigt, dass es genauso auf die „weichen“ Resilienzfaktoren ankommt: Eine resiliente Führungskultur, welche klare Ziele mit Freiräumen, Flexibilität und Teamorientierung eint, macht robust gegen Krisen. Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter eigene Entscheidungen treffen lassen und ihnen Freiräume geben, um Neues auszuprobieren, wurde in der Umfrage am erfolgreichsten bewertet. Dass Organisationen, die ihre Menschen als wichtigstes Kapital betrachten, erfolgreicher ist keine neue Erkenntnis – es zeigt sich jedoch gerade jetzt, dass es auf den Faktor Mensch ankommt.

Somit ist das Konzept der Resilienz nicht nur im Ausnahmezustand nützlich, sondern schon aus betriebswirtschaftlichen Gründen unabdingbar – und das zu jeder Zeit. Krisen entstehen in einer VUCA-Welt, wie bereits angedeutet, nicht nur durch Pandemien, sondern auch durch Wandel in Technologie, Wettbewerb und durch sich ändernde Kundenvorlieben. Die Fähigkeit „Verformungen“ und äußere Einflüsse unbeschadet zu überstehen ist also nicht nur in der aktuellen Zeit, sondern auch für eine Zeit „nach Corona“ relevant.

Ein kühler Kopf in unsicheren Zeiten lässt sich trainieren.

Wie immer in der Evolution liegt die zentrale Aufgabe in der Anpassung an neue Gegebenheiten und auch heute gilt das Prinzip „Survival of the fittest“. Es geht hierbei um eine schnelle und gesunde Anpassung an unvorhersehbare Situationen anhand flexibler Veränderung. Mehr denn je sind wir gefragt, neue Verhaltensweisen rapide und effektiv umzusetzen. Die gute Nachricht ist: Resilienzfähigkeit lässt sich trainieren. Im Unternehmen lässt sie sich auf drei Ebenen über eine resiliente betriebswirtschaftliche Aufstellung hinaus stärken und entwickeln:

1. Resilienzstärkung auf interner Unternehmensebene

Die Mitarbeiter sind das wichtigste Kapital. Wenn ein Unternehmen strategisch Resilienz stärken möchte, sind die nachfolgenden Fragestellungen hilfreiche Ansatzpunkte:

  • Kennen alle MitarbeiterInnen die Vision und Mission des Unternehmens und können diese auf die eigene Tätigkeit transferieren? Haben Sie als Unternehmer für Sinn gesorgt?
  • Werden die aufgestellten Unternehmenswerte auf allen Ebenen gelebt?
  • Gibt es transparente Kommunikationsprozesse, sodass sich alle Mitarbeiter als Teil des Unternehmens erleben und gut informiert fühlen?
  • Werden Innovation und Kreativität gefördert und gefordert und neue Ideen gefeiert?
  • Wird in kluge Technologien investiert, Digitalisierung vorangetrieben und werden die Mitarbeiter schnell und ausreichend qualifiziert?
  • Erleben Mitarbeiter eine gesundheitsfördernde Arbeitsumgebung, die über den Obstkorb hinausgeht?
  • Gibt es Möglichkeiten für flexible Arbeitszeitmodelle und Remote Work?
  • Herrschen flache Hierarchien vor, ohne der Gefahr von Bottleneck-Situationen?
  • Gibt es eine gelebte, werteorientierte Führungskultur?
  • Werden agile Arbeitsmethoden in angebrachtem Umfang genutzt, um flexibel agieren zu können?
  • Wie wird mit Fehlern umgegangen? Werden diese genutzt, vielleicht sogar gefeiert, weil sie gebraucht werden, um immer besser zu werden?

Die Beantwortung dieser Fragen und entsprechende Maßnahmenergreifung zielt darauf ab, aus der Unternehmensführung heraus den Grundstein für ein resilientes und erfolgreiches Unternehmen zu legen.

2. Resilienzstärkung auf der Ebene der Führungs- und Teamkultur

Dass die direkte Führungskraft einen entscheidenden Einfluss auf die Motivation und das Engagement der Mitarbeiter hat, ist längst bekannt. Deshalb überrascht es auch nicht, dass auch bei der Steigerung der Resilienz von Mitarbeitern die direkten Führungskräfte die allesentscheidende Rolle spielen – schließlich erleben sie die Mitarbeiter am engsten und können so am besten erkennen, wie Mitarbeiter in Belastungssituationen agieren und entsprechend reagieren. Resiliente Führung ist ein wichtiger Faktor um den Unternehmenserfolg zu sichern und gerade in Krisensituationen unabdingbar. Resiliente Führungskräfte geben ihren Teams Orientierung auch in unsicheren Zeiten. Damit resiliente Führung gelingt, sind für die Führungskräfte in der Umsetzung konkret folgende Punkte von Relevanz:

Individualität respektieren

Kurzarbeit, Homeoffice, Isolation, Stress, Ängste, Veränderungen und Unsicherheit – all diese Faktoren werden von Menschen sehr subjektiv empfunden. Akzeptanz und Respekt gegenüber jedem Mitarbeiter als Individuum mit seinen persönlichen Stärken, Ängsten und Grenzen ist unabdingbar. Nicht nur werden Mitarbeiter so wirklich individuell in ihren Stärken gestärkt, sondern gleichzeitig Diversität im Team gefördert – was wiederum individuell die Resilienz und Belastbarkeit steigert.

Regelmäßige Mitarbeitergespräche

Damit die Führungskraft die persönliche, individuelle Situation und Empfindung eines jeden Mitarbeiters einschätzen kann, sind regelmäßige und gerade in schwierigen Zeiten auch häufigere Mitarbeitergespräche so wichtig wie nie und dienen (im Übrigen nicht nur in Krisenzeiten) als Grundlage für eine Vertrauensbeziehung. Konstruktive Gespräche auf Augenhöhe steigern die Selbstwirksamkeit und Motivation und somit die Resilienz.

Ermutigung und Stärkung von Selbstbewusstsein

Wer das Gefühl hat, dass an ihn geglaubt wird, wächst über sich hinaus und kann leichter mit Rückschlägen umgehen. Eine Führungskraft, die ihren MitarbeiterInnen etwas zutraut, ihnen Wertschätzung entgegenbringt und sie in ihrer Entwicklung fördert, lässt sie größer werden und nicht kleiner. Das fördert die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung und stärkt Selbstbewusstsein und Resilienz.

Klare Formulierung von Erwartungen, Zielen und Prioritäten

Das eindeutige Klären von Zielen, erwarteten Resultaten und Prioritäten, auch oder gerade dann, wenn sich diese kurzfristig ändern, gibt Sicherheit und Orientierung und reduziert damit den Stress im Arbeitsalltag. Transparenz, Offenheit und Klarheit sind hier die entscheidenden Parameter.

Angebot von Hilfe und Unterstützung

Ansprechbar zu sein und gezielt Hilfe und Unterstützung anzubieten, wenn Überforderung beim Mitarbeiter erkennbar wird, ist Führungsnotwendigkeit. Die Führungskraft sollte die Rolle des Beraters, Mentors und Coach einen und situativ wechseln können.

Entwicklungen der Mitarbeiter erkennen, festhalten und wertschätzen

Um dies umsetzen und Leistungszyklen der Mitarbeiter erkennbar machen zu können, sind regelmäßige Gespräche unabdingbar. Positive Rückmeldungen und Lob sowie gemeinsame Konzentration auf positive Entwicklungsschritte stärkt die Resilienz. Es gilt sich nicht auf Probleme oder Fehler an sich zu fokussieren, sondern gemeinsam die Ursache zu identifizieren, um dann den Mitarbeiter dahingehend zu unterstützen, wieder wertschätzbare Erfolge zu erreichen.

Authentizität und Zuversicht

Eine Führungskraft ist dann authentisch, wenn sie die eigenen Stärken, aber auch ihre persönlichen Entwicklungspunkte kennt und diese im besten Fall auch noch kommuniziert. Dies ist wichtig, um auch den eigenen Anteil an Fehlern darzulegen und sich mit den Mitarbeitern auf Augenhöhe zu bewegen. Lebt man hierbei dann eine zuversichtliche Einstellung vor, zahlt dies auf den positiven Umgang der Mitarbeiter mit Fehlern und Unsicherheiten ein und fördert somit die Resilienz.

3. Resilienzstärkung auf Mitarbeiterebene

Auch die persönliche, individuelle Resilienz eines jeden Mitarbeiters kann gesteigert werden. Der Fokus liegt hierbei auf der Stärkung der Fähigkeit zur Selbstreflexion, ebenso wie auf der Übernahme von Selbstverantwortung. Die Mitarbeiter können durch Training lernen, wie sie eigene Erfolge festhalten und sich dadurch motivieren können. Es ist wichtig zu identifizieren, wofür man seine eigenen Ressourcen – also Zeit und Energie – verwendet und wie man sich selbst besser und effizienter organisiert. Hierzu können Unternehmen Angebote zur Weiterbildung bieten, bei denen Resilienz individuell von den Mitarbeitern reflektiert sowie die notwendige Haltung zum Umgang mit Krisen geschaffen wird. Den Mitarbeitern können Methoden und Instrumente an die Hand gegeben werden, um herausfordernde Zeiten unbeschadet zu überstehen und gestärkt aus ihnen hervorzugehen.

Fazit

Resilienz und Unternehmenserfolg sind unmittelbar miteinander verbunden. Resilienz ist nicht angeboren, kann jedoch gezielt gestärkt und trainiert werden. Krisenfest wird man nicht über Nacht – jedoch kann die Widerstandsfähigkeit und der Umgang mit Krisen erlernt werden. Resilienzstärkung kann im Unternehmen auf drei Ebenen vollzogen werden, wobei diese nicht unabhängig voneinander zu betrachten sind. Die gezielte Evaluation der Hebelwirkungen zur Stärkung der Resilienz im eigenen Unternehmen ist der erste Schritt hin zur Steigerung der Krisenfestigkeit – und damit zur Stärke der Erfolgreichen.

 

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