23.05.2019 | Autor: Peter Renner | Lesedauer: 3 Minuten

Die Blockchain-Technologie

Eine Einführung für Unternehmer

23.05.2019 | Autor: Peter Renner
Lesedauer: 3 Minuten

Die Blockchain-Technologie ist eine der größten technologischen Revolutionen der Menschheit. Viele vergleichen sie mit der Erfindung des Internets. Sie ermöglicht die Speicherung und Transaktion von Daten und Informationen, ohne dazu eine zentrale Einrichtung oder einen Intermediär zu benötigen. Dennoch haben viele Menschen noch nicht verstanden, was hinter der Blockchain steckt und welche Potenziale diese Technologie birgt.

Autor Peter Renner Senior Berater

Blockchain, Bitcoin & Co.

Die Blockchain-Technologie wird in Fachkreisen als eine Revolution gesehen wie sie in den neunziger Jahren das Internet war. Doch was steckt eigentlich hinter dem Hype? Stellen Sie sich vor, Sie schulden einem guten Freund 20 Euro und möchten Ihre Schuld begleichen. Typischerweise haben Sie heute zwei Möglichkeiten: Sie können ihm das Geld in bar geben oder virtuell überweisen. Im ersten Fall, wird der Austausch darüber sichergestellt, dass die 20 Euro in Form eines materiellen Geldscheines den Besitzer wechseln. Es ist eindeutig: Nach Austausch hat Ihr Freund den Schein und Sie nicht.

In der virtuellen Variante des Austausches ist dies aber nicht so einfach. Wenn Sie beispielsweise ein Bild über das Internet versenden, nutzen Sie hierfür grundsätzlich eine Kopie des Bildes. Das Original bleibt weiterhin auf Ihrem Computer oder Smartphone gespeichert. Geht es um die besagten 20 Euro, muss also sichergestellt werden, dass Sie das Geld auf Ihrem Konto nicht einfach kopieren und versenden, sondern dass es tatsächlich den Besitzer wechselt. Heutzutage brauchen wir hierzu zentrale Einrichtungen, die den Austausch beglaubigen – Banken, Paypal, ApplePay oder weitere Zahlungsanbieter.

Genau an diesem Punkt kommt die Blockchain ins Spiel. Durch sie können Transaktionen auch virtuell direkt von Person zu Person durchgeführt werden. Vereinfacht gesagt funktioniert das, indem die Information über die Transaktion der 20 Euro an jeden Teilnehmer im hypothetischen „Blockchain-Eurosystem“ weitergeleitet wird. Die Besitzverteilung des Geldes wird somit dezentral bei jedem Teilnehmer im Netzwerk gespeichert. Teilnehmer können solchen Systemen natürlich völlig anonym beitreten. Versucht man nun sein Geld zu „kopieren“, würde die eigene Geldmenge nicht mehr mit den Informationen übereinstimmen, die alle anderen Teilnehmer über die Geldmenge haben – der Schwindel fällt auf und die Transaktion wird vom Netzwerk nicht beglaubigt.

Euros kann man (noch) nicht über eine Blockchain handeln. Typischerweise werden heute sog. Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether oder Ripple genutzt. Dabei ist die Unterscheidung zwischen einer Blockchain und einer Kryptowährung entscheidend: Die Blockchain stellt die technologische Grundlage dar, auf der Kryptowährungen gehandelt werden können (Quelle: Coinmarket).

Wer Geld heute nach Übersee transferieren will, braucht wie eingangs beschrieben einen Intermediär, der diese Transaktion durchführt. Bis dieser die Transaktion geprüft und bestätigt hat, geht viel Zeit verloren, es fallen Gebühren an und man muss die Währungskurse berücksichtigen. Durch die Nutzung von Blockchain-Technologie und Kryptowährungen fallen diese Nachteile fast gänzlich weg.

Einsatz der Blockchain in der Praxis

Kryptowährungen stellen nur eine von unzähligen Anwendungen mithilfe der Blockchain-Technologie dar. Grundsätzlich können darüber alle möglichen Daten und Informationen sicher und ohne Mittelsmann dezentral gespeichert, ausgetauscht und gehandelt werden. Die Richtigkeit und Sicherheit der Informationen wird durch die Dezentralisierung im Netzwerk gewährleistet. Denken Sie an Grundbucheinträge, Versicherungsdaten, digitale Patientenakten, Eigentumsnachweise, Lizenzierung, usw.

Doch warum sollte man sich als Unternehmen nun für die Blockchain-Technologie interessieren? Im Folgenden soll dies an drei Beispielen erläutert werden:

  1. Blockchain als Datenspeicher: Die Blockchain-Technologie muss nicht zwingend öffentlich bestehen, sie kann auch privat oder innerhalb eines Unternehmens aufgesetzt werden. Jeder Computer, jede Maschine, jeder Sensor ist dann ein Knotenpunkt in dem firmeneigenen Blockchain-Netzwerk. Das Netzwerk fungiert als eine Art dezentraler Datenspeicher, dessen Daten sicher und widerspruchsfrei gespeichert sind. Ein Hacker-Angriff auf ein solches dezentrales Netzwerk wäre nahezu unmöglich, da der Angreifer nicht einen zentralen, sondern alle Computer angreifen müsste.
  2. Blockchain in der Lieferkette: Insbesondere bei der lückenlosen Nachvollziehbarkeit von Lieferketten gibt es sehr viele Anwendungsfelder. Bei einem fertigen Produkt wie einem Auto könnte man dadurch sehen, woher seine Teile kommen. Auch der Nachweis, dass ein Medikament wirklich von einem Pharmakonzern stammt und keine Fälschung ist, ließe sich so führen. Strom oder Gas könnten einfacher gehandelt werden, sogar ganz ohne Energieversorger (Quelle: DiePresse.com). Durch die Blockchain-Technologie lassen sich alle Bearbeitungsschritte, wie auch die Manipulation Dritter, einfach nachvollziehen.Neben der einfachen Transaktion von Daten und Informationen kann eine Blockchain auch sog. „Smart Contracts“ (dt.: Intelligente Verträge) ermöglichen. Diese Verträge automatisieren Geschäftsabläufe zwischen Transaktionspartnern gemäß einer vorab getroffenen Vereinbarung – transparent und weitgehend manipulationssicher. Zum Beispiel können bei der Warenanlieferung, die sich per Sensorik durch Computersysteme erfassen lässt, automatisch bestimmte Vertragsklauseln ausgelöst werden. Ist die Ware vollständig und ohne Mängel geliefert, wird automatisch der Zahlungsvorgang eingeleitet. Die Blockchain-Technologie reduziert hierbei die Transaktionskosten, vereinfacht das Auditing und mindert das Geschäftsrisiko für die beteiligten Parteien (Quelle: Vogel Communications Group).
  3. Blockchain als Ökosystem: Die Verbreitung und Nutzung der Blockchain-Technologie wächst exponentiell an. Es wird eine Verschmelzung von privaten und öffentlichen Blockchains geben, die zu einem gewaltigen Ökosystem anwachsen werden, in dem Firmen, Kunden und Lieferanten auf sichere, prüffähige und virtuelle Weise zusammenarbeiten können (Quelle: Deloitte).

Blockchain als zentrale Technologie

Die Blockchain-Technologie wird dazu beitragen, Unternehmen über die eigenen Wertschöpfungsgrenzen hinaus zu vernetzen. Sie garantiert Datensicherheit und Transparenz und bietet die Möglichkeiten, Informationen in einem dezentralen Netzwerk zu speichern und zu verifizieren. Sicher gibt es heutzutage noch nicht allzu viele Anwendungen der Blockchain-Technologie in der Praxis. Dennoch lohnt es sich, sich mit dieser Technologie heute schon auseinanderzusetzen.

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