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Blog-Artikel

Strategisches Kostenmanagement

Erhöhung der Erträge im Verdrängungswettbewerb

Dr. Alexander Koch | Strategisches Kostenmanagement
Dr. Alexander Koch | Strategisches Kostenmanagement

Familienunternehmen müssen in gesättigten Märkten, in denen der Verdrängungswettbewerb zunimmt, die Herausforderung meistern, ihre Erträge zu sichern, ohne dabei ihre langfristige Substanz zu gefährden. Für ein erfolgreiches Kostenmanagement bedarf es einer aktiven Managementkultur, die strategisch denkt, anstatt reflexhaft zu reagieren.

Viele Familienunternehmen bewegen sich heutzutage in herausforderndem Terrain: Internationale Anbieter, zunehmend aus Asien, drängen in etablierte Märkte. Die Qualität ist oft zu hoch für die tatsächlichen Kundenbedürfnisse, Überkapazitäten und mangelnde Wettbewerbsvorteile führen zu Preisverfall und die Digitalisierung sowie KI transformieren Geschäftsmodelle in rasantem Tempo. Erfolgreiches Unternehmertum gleicht dann dem Manövrieren eines Schiffes bei sinkendem Wasserstand.  

So mancher Unternehmer reagiert aber – auch mangels Erfahrung in Krisensituationen – reflexhaft auf Ergebnisdruck: Budgets werden gekürzt, Investitionen verschoben und ein Einstellungsstopp verhängt. Diese Reaktion ähnelt jedoch dem Versuch, ein Schiff leichter zu machen, indem man schnell Ballast über Bord wirft, ohne die Stabilität zu überprüfen. Der Blick auf die eigene Zukunft bleibt dann regelmäßig aus. Die entscheidende Frage ist: Wie können Familienunternehmen ihre Kosten so steuern, dass ihre Wettbewerbsfähigkeit und Manövrierfähigkeit langfristig erhalten bleibt?
 

Herausforderungen in Wachstumsphasen

Auffällig ist: Auch in Phasen profitablen Wachstums fehlt oft ein aktives Kostenmanagement, obwohl der Handlungsspielraum genau dann am größten wäre. Ein Stück liegt es auch in der Natur der Sache, dass man in Phasen des Wachstums und der vollen Auftragsbücher nicht in gleichem Maß auf die Kostensituation blickt. Alles ist auf Wachstum ausgerichtet, jahrelang war vor allem der ausreichend schnelle Personalaufbau DER Faktor, um den es vielfach ging. Strukturen wurden ausgebaut, Leistungen auch in den indirekten Bereichen, den Overheadstrukturen hinzuaddiert. Solange aber noch „genug Wasser unterm Kiel“ ist, lässt sich das Schiff ja noch sehr gut und vermeintlich ungehindert steuern.
 
Anders wird es, wenn der Wasserstand wie oben beschrieben sinkt. Dann werden Untiefen sichtbar, die sich über Jahre aufgebaut haben und plötzlich massiv auf das Ergebnis drücken. Das Unternehmen wird schlechter manövrierbar, die Fixkosten reduzieren die Flexibilität bei Marktschwankungen. Das „Wasser unter dem Kiel" wird knapper. Hinzu kommt, dass Entscheidungen häufig isoliert in einzelnen Bereichen getroffen werden (z. B. Personal oder IT), ohne gesamtheitlichen Blick auf Strategie, Wachstumspfad und langfristige Ziele.
Auch spielt hier häufig das Phänomen der Komplexitätskosten eine wichtige Rolle: Mehr Produkte, mehr Kunden und mehr Prozesse verursachen versteckte und zum Teil überproportional steigende Kosten durch längere Abstimmungswege und höheren Koordinationsaufwand. Viele Unternehmen unterschätzen diese Komplexitätskosten, der Professionalisierungsbedarf nimmt zu, informelle Steuerungsmechanismen stoßen mit dem Wachstum irgendwann an ihre Grenzen.
 

Strategisches versus reflexhaftes Kostenmanagement

Der fundamentale Unterschied liegt in der Perspektive: Reflexhaftes Sparen bekämpft kurzfristig Symptome, strategisches Kostenmanagement adressiert strukturelle Ursachen von Ineffizienz.

Reflexhaftes Kostenmanagement zeigt vielleicht schnell Wirkung, birgt aber Risiken: Es trifft oft die falschen Bereiche, demotiviert Mitarbeiter und bremst strategische Initiativen. Die Praxis zeigt, dass Budgets in Familienunternehmen häufig primär als kurzfristiges Instrument genutzt werden, was ihre strategische Wirkung begrenzt. So geschehen bei einem mittelständischen, familiengeführten Logistikunternehmen, das ohne eine vorherige detaillierte Analyse abrupt alle Investitionsprojekte stoppen wollte und so wesentliche strategische Implikationen übersehen hätte. Statt einer bloßen Unterbrechung von Investitionen wurde eine strategische Neuausrichtung vorgenommen, welche die langfristige Wettbewerbsfähigkeit durch eine differenzierte Betrachtung von Kostenstrukturen und Kapazitätsflexibilität sichert. Dieses Vorgehen unterstreicht die Notwendigkeit, strategische Kostentreiber nicht nur als isolierte Einsparungshebel zu betrachten, sondern deren gesamtheitlichen und langfristigen Einfluss auf die Unternehmensperformance zu antizipieren.

Strategisches Kostenmanagement richtet Kostenentscheidungen konsequent an der Langfriststrategie aus. Es nutzt formale Management-Accounting-Instrumente und interaktive Leistungsmessung, um Kosten dort zu senken, wo sie keinen strategischen Wert schaffen, und gleichzeitig in wertschöpfende Bereiche zu investieren. Der strategische Ansatz ermöglicht es, Wissen zu kodifizieren und Entscheidungsprozesse zu objektivieren – ein wichtiger Aspekt für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit.


Die Rolle der Managementkultur

Die Art, wie Kostensteuerung gelebt wird, ist tief in der Managementkultur verankert. Die Kultur in Familienunternehmen entscheidet, ob Kostenmanagement als lästige Pflicht oder als strategischer Hebel verstanden wird und ob Transparenz über betriebswirtschaftliche Zusammenhänge eher ein Fremdwort oder gelebte Realität ist.
 
Starke Kulturen umfassen gemeinsame Werte, klare Verhaltenserwartungen und ein geteiltes Verständnis von „gutem Management". Diese besondere Unternehmenskultur lebt ein europaweit tätiges Familienunternehmen aus der Lebensmittelindustrie, wo Kostenverantwortung als unternehmerische Selbstverständlichkeit verstanden wird. Das Unternehmen wird bereits in der vierten Generation geführt und blickt auf eine über 100 jährige Erfolgsgeschichte zurück, in der Tradition, Innovationskraft und verantwortungsvolles, kostenbewusstes Handeln stets eng miteinander verbunden geblieben sind. 

Besonders wirksam ist die interaktive Nutzung von Performance-Messgrößen: Wenn Kennzahlen als Grundlage für strategische Dialoge genutzt werden, entsteht gemeinsames Verständnis für Zusammenhänge zwischen Kosten, Leistung und Wettbewerbsfähigkeit. Der Grad des familiären Einflusses bestimmt dabei, wie Management-Control-Systeme genutzt werden und welche Performance-Effekte sie entfalten. 

Ein typisches Instrument der strategischen Kostensteuerung ist Zero-Based-Budgeting (ZBB). Es bricht radikal mit inkrementeller Budgetierung und bringt jede Position auf den Prüfstand. Statt das Vorjahresbudget fortzuschreiben, beginnt ZBB bei null: Jede Kostenposition muss neu begründet werden. Alle Aktivitäten werden in „Decision Packages" gebündelt und nach Priorität gerankt. Nur Pakete mit klarem strategischen Nutzen werden finanziert. Für Familienunternehmen bietet ZBB Transparenz über historisch gewachsene Strukturen, strategische Ausrichtung der Ressourcen und einen Kulturwandel hin zu Kostenverantwortung. Es fördert die Kostendisziplin, da es eine Rechtfertigung aller Ausgaben benötigt, jedoch ist die Implementierung häufig ressourcenintensiv und zeitaufwendig.

Kontinuierliche Produktivitätssteigerung bedeutet „intelligenter arbeiten" – durch bessere Prozesse, moderne Technologie und optimierte Ressourcennutzung. Erfolgreiche Familienunternehmen setzen auf Prozessanalyse, Benchmarking, gezielte Digitalisierung und Kompetenzentwicklung. Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die Einbindung der Mitarbeiter: Produktivitätssteigerung sollte deren Expertise nutzen und nicht nur als Top-down-Programm wahrgenommen werden.


Kostensteuerung und Unternehmensnachfolge

In vielen inhabergeführten Unternehmen ist das Wissen über Kostenstrukturen stark personalisiert. Systematische Management-Accounting-Praktiken schaffen Transparenz und ermöglichen der nächsten Generation fundierte Entscheidungen. Wenn Kostenentscheidungen auf objektiven Daten basieren, lassen sich „unpopuläre“ Maßnahmen leichter durchsetzen. Eine professionalisierte Kostensteuerung bildet auch eine wichtige Grundlage für einen erfolgreichen Generationenwechsel.

Die nächste Generation übernimmt oft in einem veränderten Wettbewerbsumfeld. Eine professionalisierte Kostensteuerung bietet Nachfolgern die Instrumente für eine erfolgreiche Führung. Die Herausforderung besteht darin, Werte zu bewahren, während Strukturen professionalisiert werden. Kulturelle Kontrollen und die interaktive Nutzung von Performance-Maßen sind in erfolgreichen Familienunternehmen stark ausgeprägt. 

So ist die Implementierung von Management-Accounting-Systemen entscheidend, um den Wissenstransfer über Generationen hinweg zu gewährleisten und die Werte sowie Prioritäten der Gründergeneration effektiv in die Unternehmensführung zu integrieren.


Strategien im Verdrängungswettbewerb

In gesättigten Märkten müssen Familienunternehmen ihre Wettbewerbsstrategie überdenken und Kostensteuerung als integralen Bestandteil verstehen. Erfolgreiche Familienunternehmen setzen dabei auf Differenzierung durch Qualität, Service oder Innovation. Kostensteuerung bedeutet dann, Ressourcen gezielt in differenzierende Faktoren zu investieren und in anderen Bereichen effizient zu sein, insbesondere Verschwendung zu vermeiden. Im Vordergrund muss immer die Frage stehen: Wofür ist der Kunde heute und morgen bereit zu bezahlen, wofür aber auch nicht?

Im Verdrängungswettbewerb ist es in jedem Fall entscheidend, profitable Segmente zu identifizieren und Ressourcen darauf zu konzentrieren. Dies erfordert eine detaillierte Kosten- und Ergebnisrechnung sowie eine in der Folge entsprechend ausgerichtete Vertriebsstrategie und -steuerung.

Statt Konkurrenz zu fürchten, sollten Familienunternehmen internationale Wettbewerber als Benchmark nutzen und von effizienteren Prozessen lernen. Die größte Stärke von Familienunternehmen ist ihre langfristige Perspektive. Diese sollte genutzt werden, um auch in Krisenzeiten in Innovation, Mitarbeiterentwicklung und Kundenbindung zu investieren und dafür an anderen Stellen konsequent die Kosten zu senken.


Fazit 

Ertragssteigerung im Verdrängungswettbewerb erfordert strategische Kostensteuerung, die auf aktiver Managementkultur basiert und langfristige Wettbewerbsfähigkeit sichert. Dabei erfordert erfolgreiches Manövrieren bei sinkendem Wasserstand nicht nur einen erfahrenen Kapitän, sondern auch ein gut gewartetes Schiff, eine kompetente Crew und präzise Navigationsinstrumente. Eine strategische Kostensteuerung liefert diese Instrumente und sichert die Manövrierfähigkeit – auch in stürmischen Zeiten.

Autor

Dr. Alexander Koch

Geschäftsführender Gesellschafter
Dr. Alexander Koch
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Aktive Ertragssteigerung in unruhigen Zeiten

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So schaffen Familienunternehmen die Balance zwischen kurzfristiger Ergebnisverbesserung und langfristiger Wettbewerbsfähigkeit 

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