02.03.2021 | Autor: Moritz Keding | Lesedauer: 4 Minuten

Unternehmenssteuerung in Krisenzeiten

Wer jetzt nicht agiert, verliert

02.03.2021 | Autor: Moritz Keding
Lesedauer: 4 Minuten

Die Corona-Pandemie trifft deutsche Unternehmen mit voller Wucht. Einigen Firmen scheint die Krisen-Bewältigung jedoch besser zu gelingen als anderen – obwohl sich diese in vermeintlichen „Verlierer-Branchen“ befinden. Wo liegen die wesentlichen Erfolgshebel dieser Unternehmen?

Moritz Keding Senior Projektleiter
Rückruf vereinbaren

Es ist nicht zu leugnen, dass es sich bei der aktuellen Corona-Pandemie, um einen externen Einfluss handelt. Diesem sind wir zunächst einmal alle ausgeliefert. Es ist eine durchaus menschliche Verhaltensweise, sich auf die fehlende Beeinflussbarkeit zu stützen und hierin die Ursachen für aktuellen wirtschaftlichen Misserfolg zu suchen. Die Handlungsspielräume zur Krisenbewältigung besonders betroffener Branchen, wie beispielsweise der Reisebranche, der Hotellerie oder der Gastronomie sind sicherlich geringer als weniger betroffener Wirtschaftszweige.

Corona als „Brandbeschleuniger“

Die Corona-Pandemie fungiert – ähnlich vergangener Wirtschaftseinbrüche – in Teilen wie ein „Brandbeschleuniger“, der mancherlei Schwachstellen besonders schnell und heftig offenbart. Haben nicht in vielen Unternehmen bereits vorhandene Schwachstellen – z.B. in Folge fehlender Strategien und Ziele, ungenügender Transparenz, geringem Umsatzwachstums bei gleichzeitig steigenden Kosten, schwacher Renditen und zu geringer Eigenkapitalquoten bzw. einem zu hohen Verschuldungsgrad (zu hohe Verbindlichkeiten bei gleichzeitig zu geringen liquiden Rückflüssen aus dem operativen Ergebnis) – zu einer erhöhten Angreifbarkeit im Falle von Wirtschaftskrisen geführt?

Familienunternehmen werden von Krisen oftmals besonders hart getroffen, da neben den Unternehmen auch die Unternehmer-Familien in Bedrängnis geraten. In vielen Familienunternehmen ist die Altersvorsorge mehrerer Generationen an den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens gekoppelt. Gewinne wurden nicht entnommen und stellen in Form von Gesellschafterdarlehen oftmals kurz-oder langfristige Verbindlichkeiten dar. Vielfach gibt es keine private Absicherung der Eigentümer, womit Wirtschaftskrisen existenzgefährdend werden können.

Im Rahmen der Begleitung von Familienunternehmen stellen wir häufig fest, dass in der Vergangenheit starke Unternehmerinnen und Unternehmer Kraft ihrer Erfahrung, Einschätzungen und Entscheidungskompetenz in der Lage waren, negative Einflüsse und Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und kurzfristig erforderliche Gegenmaßnahmen einzuleiten. Die Wirtschaftswelt ist jedoch deutlich volatiler geworden. Die Rahmenbedingungen verändern sich – in Folge von gesetzlichen oder regulatorischen Vorgaben, technischen Entwicklungen, dem Einfluss von Digitalisierung und Internationalisierung etc. – wesentlich schneller und signifikanter. Ganze Branchen, wie beispielsweise Printmedien, Film- und Fernsehen und die Automobilindustrie, inkl. ihrer zahlreichen Zulieferbetriebe, sehen sich neuen Herausforderungen und neuen Wettbewerbern, wie z.B. Online-, Streaming-Anbietern oder beispielsweise Wettbewerbern der Elektro-, Hybrid- und Wasserstofftechnologie gegenüber.

Aktuell stellt sich uns allen nicht nur die Frage, wie lange uns die Corona-Pandemie noch beeinträchtigt, sondern wie die Welt nach Corona aussieht. Vieles – auch in unseren Verhaltensweisen – wird sich nachhaltig verändern. Welche Einflüsse dies auf das operative Geschäft und die Rahmenbedingungen Ihres Unternehmens hat, gilt es in Szenarien schnellstmöglich abzuwägen, um frühzeitig Strategien für die Post-Corona-Zeit zu entwickeln.

Hohe Anforderungen an die Unternehmensleitung

„9% der Unternehmen gehen aus einer Rezession gestärkt hervor“ (Quelle: Harvard Business Manager 01/2021) – was machen diese Unternehmen anders? Krisen verlangen den Unternehmen – sowohl der Unternehmensleitung, als auch allen Mitarbeiter*innen – Höchstleistungen ab. Die Krisenbewältigung gleicht der Anpassung in der Natur. Es überleben diejenigen am besten, die sich am flexibelsten an geänderte Rahmen-bedingungen anpassen.

Aufgabe der Unternehmensleitung ist die Steuerung der Unternehmung. Die Unternehmensleitung ist demnach beauftragt – gleich dem Dirigenten eines Orchesters – die gesamte Organisation und deren Mitarbeiter*innen im Sinne der Zielerreichung zu (Höchst)Leistungen zu motivieren und die Voraussetzungen hierfür zu schaffen. Hierzu zählen unter anderem Aufgaben, wie die Festlegung von Strategien und Zielen, die richtige Ressourcenzuteilung, die Koordination von Mitarbeiter*innen und Prozessen, Budgetplanung und -Überwachung, Implementierung von Frühwarnsystemen, Risikovorsorge und Liquiditätssicherung etc.

Mitnahme durch gezielte Kommunikation

Die aktuelle Situation führt auch abseits des betrieblichen Umfeldes zu Sorgen und Ängsten. „Wie stelle ich die Betreuung meiner Kinder sicher?“, „Was, wenn sich die kranken Eltern mit Corona infizieren?“, „Ist die Haus-/Wohnungsfinanzierung sichergestellt?“….

Erstellen Sie einen Kommunikationsplan. Vermitteln Sie regelmäßig und offen Botschaften, die der Realität entsprechen, aber nach Möglichkeit Sicherheit vermitteln. Informieren Sie lieber zu viel als zu wenig. Denken Sie hierbei auch an Ihre Gesellschafter, Kunden und Lieferanten. Vernachlässigen Sie diesbezüglich auch die ältere Unternehmergeneration nicht. Holen Sie Ihre Bank(en) frühzeitig ins Boot.

„Cash is King“ oder „mit Geld weint es sich leichter“

Wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Krisenbewältigung ist ausreichende Liquidität. Wirtschaftseinbrüche gehen in der Regel mit rückläufigen Umsatzentwicklungen und somit geringeren Liquiditätszuflüssen einher. Verschaffen Sie sich rechtzeitig einen Überblick und veranlassen Sie erforderliche Maßnahmen.

Hierzu zählen unter anderem:

  • „Stresstest“ Liquidität (Aufbau von Szenarien zur Liquiditätssicherung)
  • Planungsplausibilisierung und laufende Erstellung von Forecasts
  • Nutzung von liquiditätsseitigen Soforthilfen (staatliche Programme etc.)
  • Ergreifen finanzwirtschaftlicher Maßnahmen (u.a. Nutzung von Finanzierungsspielräumen)
  • Inanspruchnahme von Kurzarbeit und Einstellungsstopps – vor Abbau von Arbeitsplätzen
  • Einleitung von Maßnahmen zur Sachkostenoptimierung/-reduzierung
  • (Um)Priorisierung von Maßnahmen mit hohem Liquiditätsabfluss
  • Veräußerung nicht betriebsnotwendiger Vermögensgegenstände zur Liquiditätssicherung

Liquiditätssicherung verschafft Ihnen Handlungsspielräume und senkt die Kosten für Fremdfinanzierung!

„Der Laden muss laufen“

Sorgen Sie dafür, dass Sie handlungs- und lieferfähig bleiben. Sichern Sie hierzu Ihren Einkauf bzw. Ihre Lieferketten ab. Behalten Sie dennoch Ihr gebundenes Vermögen (Roh- und Umlaufvermögen) hinsichtlich Ihrer Bevorratung im Auge. Bauen Sie keinesfalls unnötig hohe Lagerbestände auf. Identifizieren Sie gefährdete Lieferanten und kontaktieren Sie frühzeitig Alternativlieferanten. Ein laufendes Risiko-Monitoring hilft Ihnen alle relevanten Parameter im Blick zu behalten, um rechtzeitig agieren zu können.

Fazit

Jede Krise birgt auch Chancen. Stellen Sie zunächst die „Gegenwartsfähigkeit“ Ihres Unternehmens sicher. Anschließend gilt es, die „Zukunftsfähigkeit“ weiter zu entwickeln.

Wir haben Ihnen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – Maßnahmen aufgezeigt, mittels derer in der Vergangenheit Rezessionen erfolgreich bewältigt wurden. Denken Sie daran – es werden diejenigen aus der Krise gestärkt hervorgehen, denen es am besten und schnellsten gelungen ist, sich auf die geänderten Rahmenbedingungen einzustellen.

Nehmen Sie Kontakt zu uns auf. Bei Fragen und für weitergehenden Austausch stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Beitrag teilen: