19.11.2018 | Autor: Peter Renner | Lesedauer: 3 Minuten

Digitalisierung in der Unternehmenssteuerung

Die neue Rolle des Controllings

19.11.2018 | Autor: Peter Renner
Lesedauer: 3 Minuten

Die Digitalisierung bietet in allen Bereichen eines Unternehmens erhebliche Potentiale. Letztendlich wird sich durch sie auch die Unternehmenssteuerung und somit das Rollenbild des typischen Controllings wandeln. Insbesondere neue Möglichkeiten zur Erhebung, Auswertung und Aufbereitung enormer Datenmengen sind die Treiber der Veränderung.

Autor Peter Renner Berater

Wettbewerbsvorteile durch intelligente Datenverwertung

Digitalisierung ist nicht neu. Im Grunde genommen existiert sie seit es Computer gibt. Neu sind die Dimensionen, mit denen wir der Digitalisierung heute begegnen.

Computer sind um ein Vielfaches leistungsfähiger als noch vor einigen Jahren und die Rechnerleistung wird auch in Zukunft exponentiell ansteigen. Außerdem ist es möglich, immer mehr Daten zu immer geringeren Kosten zu speichern – was auch unbedingt notwendig ist, denn das weltweite Datenaufkommen wird sich bis 2025 voraussichtlich verzehnfachen (Statista, April 2018). Seien es Sensoren an Maschinen, Social-Media-Kanäle, GPS, Finanztransaktionen und viele weitere Quellen, Daten werden nahezu überall generiert. Nicht zuletzt sind wir heutzutage mit fast allem und jedem vernetzt, inklusive der Vernetzung von Maschinen untereinander. Daten sind somit nahezu jederzeit, für jedermann und überall zugänglich.

Durch diesen Wandel eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten. Neue Geschäftsmodelle rund um die Nutzung und Auswertung großer Datenmengen gibt es bereits zuhauf. Unser Leben wandelt sich durch die personalisierte Auswertung von Daten stetig. Und auch das Arbeiten wie wir es heute kennen verändert sich grundlegend.

Letztendlich hat die Digitalisierung auch signifikante Auswirkungen auf die Unternehmenssteuerung, bzw. das Controlling. Dem Controlling stehen – beispielsweise durch Sensoren und Mini-Computer in nahezu allen Bereichen eines Unternehmens, aber auch durch Social-Media-Kanäle und viele weiteren externe Quellen – heute enorme Datenmengen sowie gänzlich neue Datenkategorien zur Verfügung.

Mithilfe von intelligenten Systemen können diese Daten teilweise vollständig automatisiert und in Echtzeit über das gesamte Unternehmen hinweg erhoben, ausgewertet und aufbereitet werden. Gerade im intensiven Wettbewerb und bei hoher Leistungsdichte im Markt werden ebensolche intelligenten Systeme zu wettbewerbsentscheidenden Vorteilen führen. Gewinner der Digitalisierung werden es verstanden haben, die neuen Möglichkeiten in der Unternehmenssteuerung sinnvoll zu nutzen.

Ganzheitliche und intelligente Unternehmenssteuerung

Laut einer Studie von Oliver Wyman sind trotz der vielversprechenden Möglichkeiten die bis-herigen Auswirkungen der Digitalisierung in der Unternehmenssteuerung noch eher gering. Dabei kann das Controlling durch die Digitalisierung zum Treiber von Wettbewerbsvorteilen werden.

Im Folgenden sollen vier Aspekte vorgestellt werden, die grundlegend für eine ganzheitliche und intelligente Unternehmenssteuerung sind:

  1. Automatisierung standardisierter Prozesse: Zeitintensive und mühsame Prozesse zur Erhebung von Daten können beispielsweise durch „Robot Process Automation“ (RPA) nahezu vollständig automatisiert werden. Somit können Mitarbeiter von monotonen und ermüdenden Bürotätigkeiten entlastet werden. Die freigewordene Zeit kann zur Analyse der Daten genutzt werden. Typische Prozesse zur Automatisierung sind die Bearbeitung von Kundenanfragen, die Realisierung von Datenübertragung, das „Web Scraping“, Kundendatenpflege, Lohnbuchhaltung und viele mehr.
  2. Harmonisierung und Vernetzung der Systemlandschaft: Das Ziel sollte es sein, eine einheitliche Platt-form für Planung, Reporting und Risikomanagement über das gesamte Unternehmen hinweg zu schaffen. Als Zentrum hierfür dient der sogenannte „Single-Point-of-Truth“ (SPOT). Dies ist ein zentraler Ort, an dem alle Daten zusammenfließen und anschließend geprüft und weiterverarbeitet werden können. Bestenfalls ist dieser „Cloud-basiert“ und der Zugriff somit von verschiedenen Personen, Endgeräten und Orten möglich. Der SPOT stellt das Fundament für die intelligente Auswertung der Daten dar.
  3. Intelligente Datenauswertung: Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) können die enormen Datenmengen ganzheitlich und effizient ausgewertet werden. Datenkategorien können beliebig miteinander in Verbindung gebracht werden und in nahezu Echtzeit zu zielgenauen Forecasts, Planungen und weiteren Reportings führen. KI sucht hierbei nach Mustern und Korrelationen im bestehenden Datenpool und lernt mit jeder neuen Auswertung dazu. Die intelligenten Algorithmen arbeiten höchst effizient und sind dementsprechend skalierbar.
  4. Aufbereitung der Daten: Nicht zuletzt müssen die Auswertungen auf eine benutzerfreundliche Art und Weise dargestellt werden. Je ansprechender und durchdachter, desto besser. Zudem wird empfohlen, unterschiedliche Aggregationsstufen der Darstellungen zu berücksichtigen (z.B. von Darstellungen im Produktionsbetrieb bis hin zum C-Level-Dashboard). Mithilfe intuitiver Benutzeroberflächen soll es außerdem möglich sein, Analysen einfach und sofort erstellen zu können, um so agile Entscheidungen auf einer fundierten Informationsbasis treffen zu können.

Neues Rollenbild des Controllings

Durch diese Entwicklungen und Technologien verändert sich das Rollenbild des Controllers. Er wird sich von einem Fachmann für Rechnungswesen hin zu einem Fachmann für Daten entwickeln und zunehmend strategische Fragestellungen diskutieren.

Analysen und Forecasts werden nicht mehr durch den Menschen, sondern automatisiert und funktionsübergreifend durch Maschinen und intelligente Algorithmen erarbeitet. Die Unternehmenssteuerung wird somit eher auf mathematischen und statistischen Grundlagen bzw. Wahrscheinlichkeiten beruhen. Dies setzt voraus, dass die Daten, auf denen die Berechnungen basieren, von hoher und einheitlicher Qualität sind.

Die Vergangenheitsbetrachtung in klassischen Berichtsperioden werden zukünftig durch agile Echtzeitsteuerung und individualisierte Reportings abgelöst. Entscheidungen können unmittelbar getroffen werden, ohne auf die nötigen Auswertungen warten zu müssen.

Der Controller nimmt in diesem Wandel eine daten- und strategiegetriebene Rolle ein. Er wird weniger reaktiv-analytisch, sondern mehr proaktiv-prognostizierend arbeiten (Horváth & Partners: In Anlehnung an das 29. Stuttgarter Controller-Forum, September 2015). Das Controlling kann somit zu einem zentralen Treiber von Wettbewerbsvorteilen werden.

Welches Rollenverständnis besitzt das Controlling in Ihrem Unternehmen? Ist dieses noch zeitgemäß oder muss es überdacht werden?

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