Vom Konzern in die Beratung Interview mit Quereinsteiger Patrick Meyer

Patrick, Du warst acht Jahre bei Siemens, zuletzt als Projektmanager und Business Administrator, bevor Du Unternehmensberater für Familienunternehmen geworden bist. Wie kam es zu diesem Schwenk vom Großkonzern zum Mittelstand?

Ich habe nach dem Abi ein Duales Studium mit Schwerpunkt Internationales Management bei Siemens aufgenommen und bekam nach dem Abschluss ein Angebot im Bereich Corporate Finance. In den Jahren im Konzern habe ich unter anderem an einem Restrukturierungsprojekt mitgearbeitet, wo ich die kaufmännische Projektleitung innehatte. Die strategische Arbeit hat mich von Anfang an sehr gereizt und mir viel Spaß bereitet. Umso frustrierter war ich, als das Projekt nach einem Jahr aus unternehmenspolitischen Gründen auf Eis gelegt wurde. Ich konnte diese Entscheidung zwar nachvollziehen, aber die Situation war natürlich sehr frustrierend und unbefriedigend.

Als sich die Gelegenheit bot, für Siemens nach Singapur zu gehen und dann ein MBA-Studium mit Schwerpunkt Strategie in Vollzeit zu absolvieren, habe ich diese Chance ergriffen. Ein Jahr Abstand von der Konzern-Arbeitswelt, der Austausch mit den MBA-Kommilitonen und nicht zuletzt ein dreimonatiges Pflichtpraktikum bei einem mittelständischen Unternehmen in Singapur, haben bewirkt, dass ich mich fragte: „Was machst Du jetzt danach?“ Es hat mich sehr gereizt, tiefer in die „Welt des Mittelstands“ einzutauchen, einen Wiedereinstieg ins Konzernumfeld konnte ich mir zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen.

Warum sind die Welten Mittelstand und Konzern so gegensätzlich? Und was hat Dich bewogen, bei Weissman als Unternehmensberater anzufangen?

Wenn Du in einem Konzern eine gute Idee hast, dann hast Du als junge Führungskraft noch einige Ebenen über Dir. Viele Entscheider mit teils unterschiedlichsten Interessenslagen sind involviert. Ideen werden viel diskutiert, Entscheidungsprozesse können langwierig sein. Und wenn Du in Deiner Abteilung beginnst, jeden Stein umzudrehen und zu hinterfragen, weil Du etwas bewegen willst, dann wirst Du für Deine Kollegen, die sich in den oft starren Strukturen und vordefinierten Karrierewegen gemütlich eingerichtet haben, möglicherweise ungemütlich. Viele haben einfach kein Interesse daran, die Welt neu zu erfinden. Im Mittelstand kann man aus meiner Sicht als Einzelner mehr bewegen. Am Ende ist es eine Typsache.

Weissman habe ich tatsächlich durch die Google-Suche gefunden, einfach „Mittelstand“ und „Beratung“ eingetippt. Ich hatte drei Vorstellungsgespräche bei Beratungen mit Mittelstandsfokus. Die anderen verfolgten den klassischen Ansatz, fokussierten sich idealerweise auf eine Branche oder einen spezifischen Themenkomplex. Beim Gespräch mit Moritz und einem Berater, der selbst mehrere Jahre bei einem Konzern angestellt war, habe ich sofort gespürt, dass es passt und wir ähnlich ticken. Das sehr persönliche Gespräch über Unterschiede zwischen Konzern und Mittelstandsberatung sowie Gedankenaustausch zum Übergang haben mir bei meiner Entscheidung sehr geholfen.

Inzwischen bist Du seit drei Jahren Projektleiter bei Weissman. Was treibt Dich an?

Bei meiner Arbeit mag ich das Springen zwischen unterschiedlichsten Themen, Branchen und Führungspersönlichkeiten – derzeit betreue ich unterschiedlichste Kunden, von produzierenden Industriebetrieben über Start-ups im Hightech-Bereich bis hin zu einem führenden Softwareanbieter. Das ist spannend, ich lerne viel und kann dabei helfen, Unternehmen durch die Beratung und Umsetzungsbegleitung mit zu formen und vorwärts zu bringen. Und das „catcht“ mich immer wieder. In der hohen Frequenz findet man das aus meiner Sicht sehr selten. Ich langweile mich nie, gehe gerne zur Arbeit, mag meine Kunden und die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite. „Flache Hierarchien“ klingt immer so abgedroschen, aber bei Weissman habe ich einfach die Freiheit, Ideen auszuprobieren und die Weiterentwicklung des Unternehmens mit voranzutreiben.

Was empfiehlst Du freiheitsliebenden Persönlichkeitstypen, die mit dem Gedanken spielen, eine andere Welt außerhalb des Konzerns kennenzulernen?

Mach in Deiner Konzernlaufbahn einen „Ausflug“ in den Mittelstand, ein Sabbatical oder ähnliches. Guck mal raus und schau, ob der Konzern wirklich Dein berufliches Zuhause ist. Natürlich ist es immer ein großer Schritt, die Komfortzone und Sicherheiten in Sachen Gehalt und Karriereperspektive zu verlassen. Aber ein Blick nach draußen lohnt sich. Mit etwas Abstand kann man meiner Erfahrung nach bessere Entscheidungen treffen. Ich für mich habe „meine Welt“ gefunden.