Tausche große gegen kleine Beratung Interview mit Philipp Kuhlmann

Philipp, 2008 hast Du Weissman & Cie. als Praktikant kennengelernt, nach Deinem Abschluss als Dipl. Wirtschaftsingenieur bist Du bei Accenture Strategy eingestiegen und wurdest dort schnell zum Manager befördert, seit 2018 bist Du als Senior Projektleiter an Bord bei Weissman. Weshalb hast Du Dich wieder für die (im Verhältnis) kleine Beratung entschieden?

Als ich mich direkt nach dem Studium bei einigen Strategieberatungen beworben hatte, machte Accenture Strategy in München aufgrund der zukünftigen Kollegen den besten Eindruck auf mich. Dort hatte ich die typische Berater-Woche: Montag bis Donnerstag bei Kunden im In- und Ausland, freitags im Büro oder im Home Office. Ich habe einige Fortune 500/DAX-Unternehmen beraten, hatte jedoch kaum Klienten aus dem deutschen Mittelstand – eine Branche die mich auch sehr interessiert. Ich wollte nach 7 Jahren bei der Großberatung gerne mein Profil erweitern und auch „Work“ und „Life“ mehr in Einklang bringen.

Wie unterscheidet sich das Umfeld von kleiner und großer Beratung?

Eine große Beratung ist meistens stark hierarchisch geprägt und Aufgaben sind pro Karrierelevel genauer definiert. Es existieren viele Prozesse und Richtlinien – diese sind natürlich ab einer gewissen Größe notwendig. Bei einer kleinen Beratung hat man wesentlich mehr Freiheiten und man muss mehr selber anpacken und eigenständig entscheiden. Abstimmungsprozesse sind deutlich formloser und schneller, dabei arbeiten wir genauso professionell und ergebnisorientiert.

Wie unterscheiden sich Deine jetzigen Projekte zu vorher?

Das Unternehmensspektrum ist wesentlich unterschiedlicher. Viele mittelständische Unternehmer verfügen über wenig bis keine Beratungserfahrung und üben sich anfangs in Reserviertheit. Im Gegensatz zu meiner früheren Arbeit ist nicht für die meisten Projekte ein Standard definiert, dafür ist umso mehr Fingerspitzengefühl gefragt. Ich muss mich in jeden Unternehmer gut hineinversetzen können, um seine Ziele wirklich zu verstehen und die bestmöglichen Lösungen dafür zu finden. Das Aufgabenspektrum ist insgesamt größer, erweitert vor allem um den spannenden Bereich Family Governance. Ich operiere jetzt in der Mehrheit mit den Inhabern und Geschäftsführern, weniger auf Abteilungsleiter-Ebene.

Derzeit bin ich meist zwei Tage im Office in Nürnberg, ansonsten bin ich bei einem Großkunden vor Ort, steuere gemeinsam mit Kollegen parallel mehrere Projekte – u.a. die Entwicklung eines neuen digitalen Geschäftsmodells im Maschinenbau und die Entwicklung der zukünftigen Organisation 2025 einer großen Fachhandelskette -, verantworte Akquisetermine und arbeite auch intern an unserer Organisationsentwicklung mit. Nach einem Dreivierteljahr kann ich sagen, dass ich mit dem Tausch des großen Beratungshauses gegen die „kleine“, aber feine Beratung Weissman rundum zufrieden bin.

Welche Themen werden aus Deiner Sicht in Zukunft bei der Beratung von Mittelständlern im Vordergrund stehen?

Ich bin mir sicher, dass die klassischen Beratungsbereiche Strategie- und Organisationsentwicklung nicht aus der Mode kommen. Ebenso sieht es mit Nachfolgeprozessen und Gesellschafterübergängen aus. Das Managen des Generationenwechsels wird weiterhin für viele Betriebe eine große Herausforderung sein. Man merkt aber auch immer mehr den Einfluss einer veränderten Unternehmenskultur und neuer Arbeitswelten: neben dem Strategieprozess beschäftigen sich Unternehmer zunehmend mit agileren Organisationsformen und digitalen Geschäftsmodellen. Der Markt ist wesentlich dynamischer, das zwingt den deutschen Mittelstand vermehrt dazu, sich Gedanken über innovative Themen zu machen.