Unsichtbar, unterschätzt & unbezahlt Weissman-Studie „Der Einfluss passiver Ehepartner in Familienunternehmen“

Sie sind ständig dabei und doch oft unsichtbar, sie engagieren sich für das Familienunternehmen und werden dafür oft nicht bezahlt, sie sind am Unternehmen nicht beteiligt und haften häufig doch persönlich – kurzum sie sind „mittendrin“ statt „nur dabei“. Die Rede ist von angeheirateten, nicht operativ tätigen Familienmitgliedern. Dieser Personenkreis leistet oft einen enormen Beitrag für Unternehmen, Unternehmer/innen und Familie. Es ist jedoch nur wenig über ihn bekannt, oft erscheint auch der Zugang zu dieser Gruppe verschlossen. So sind bisher nur wenige Publikationen über passiv tätige Ehepartner veröffentlicht worden; selbst wenn über diese Gruppe berichtet wurde, so wurden die Angeheirateten nicht persönlich nach ihren Auffassungen und Meinungen befragt – man sprach über sie, aber nicht direkt mit ihnen.

Weissman & Cie. bringt in Kooperation mit der Universität Passau mit der qualitativen Studie „Der Einfluss passiver Ehepartner in Familienunternehmen“ mehr Licht in diese „Black Box“. Die Studie beleuchtet die Frage, ob und wie angeheiratete Familienmitglieder Unternehmen und Unternehmer beeinflussen und falls ja, welche Motivatoren und Gründe ausschlaggebend für ihr Verhalten sind. Die Autoren wollten herausfinden, welche Hebel und Ansatzpunkte Familienunternehmern und Beratern offenstehen, um das volle Potential dieser Gruppe zum Vorteil von Unternehmen, Unternehmer und Familie zu nutzen. Dafür wurden insgesamt zehn Interviews mit angeheirateten Familienmitgliedern geführt, die durch ihre Offenheit einen tiefen Einblick in ihr persönliches Lebensumfeld, in dem Familie und Unternehmen in einer Wechselbeziehung stehen, gewährten.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass sich alle Interviewten emotional mit dem Unternehmen verbunden fühlen und jegliche Höhen und Tiefen mittragen. Aus den Interviews lassen sich vier Rollen ableiten, die passive Ehepartner einnehmen können: „Austauschpartner“, „emotionaler Unterstützer“, „Repräsentant“ sowie „unentgeltlicher Unterstützer“.

Während sich alle befragten Ehepartner den beiden erstgenannten Rollen verschreiben, nehmen sie sich in der Rolle des „Repräsentanten“ zwar wahr, dies jedoch in unterschiedlicher Ausprägung und Intensität. Die Rolle des unentgeltlichen Unterstützers wird von 70 % der Studienteilnehmer eingenommen. Hierbei übernehmen sie freiwillig und unentgeltlich anfallende Aufgaben im Unternehmen. Die Studie stellt des Weiteren heraus, dass sich die Ehepartner teilweise mit Vorurteilen in ihrer Rolle als Ehepartner des Unternehmers/der Unternehmerin konfrontiert sehen und eine Diskrepanz zwischen öffentlich wahrgenommener und tatsächlicher Ausgestaltung der Rolle besteht. Überraschend war die Aussage aller Befragten, die Kinder nicht aktiv im Sinne einer Nachfolge zu erziehen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die passiven Ehepartner für den Unternehmer/die Unternehmerin wie auch für das Unternehmen selbst einen äußert wertvollen Beitrag leisten. Als Teil der Unternehmerfamilien können diese Wettbewerbsvorteile generieren und somit zum Erfolg des Familienunternehmens beitragen. Diese Chance sollten Familienunternehmer nicht ungenutzt lassen –sie sollten sich daher der Bedeutung ihrer Familienmitglieder und speziell der Bedeutung der passiven Ehepartner bewusst(er) werden sowie deren Rolle thematisieren und aktiv gestalten.