23.01.2019 | Autor: Peter Renner | Lesedauer: 3 Minuten

Voraussetzungen zur digitalen Transformation in Deutschland

Kommentar

23.01.2019 | Autor: Peter Renner
Lesedauer: 3 Minuten

Viele Experten sind sich einig: Wir müssen in Deutschland schnell und energisch handeln, um mit der Geschwindigkeit der Digitalisierung im globalen Wettbewerb mithalten zu können. Es scheint, als hätte uns die Konkurrenz aus dem Silicon Valley, China und vielen weiteren Regionen bereits abgehängt. Ich bin der Meinung, dass wir daher insbesondere an drei Grundvoraussetzungen ansetzen müssen, um die digitale Transformation in Deutschland zu ermöglichen und um den Anschluss an den globalen Wettbewerb nicht zu verlieren.

Autor Peter Renner Berater

Deutschland im digitalen Hintertreffen?

Die Welt wird digitaler, vernetzter, agiler. Aus Blockchain, Künstlicher Intelligenz, dem Internet der Dinge und vielen weiteren Entwicklungen entstehen radikal neue Geschäftsmodelle, welche unser Dasein, unser Zusammenleben und unsere Berufe grundlegend verändern werden. Während insbesondere aus dem Silicon Valley oder aus China bereits milliardenschwere Unternehmen auf Basis digitaler Entwicklungen hervorgingen, liegt Deutschland beispielsweise im Netzausbau gerade einmal auf Platz 70 – hinter Albanien (Quelle: Digitalfernsehen, 17.09.2018).

Gewiss ist dies ein etwas überspitzter und nicht ganz treffender Vergleich. Dennoch sind sich viele Experten einig, dass Deutschland im Zuge der Digitalisierung Aufholbedarf hat (Quelle: Handelsblatt, 13.11.2018). Was muss also getan werden, um die Grundlagen für eine erfolgreiche digitale Transformation in Deutschland zu legen? Welche Technologien sind notwendig? Wo sollten Wirtschaft, Politik und jeder Einzelne ansetzen? Ich bin der Meinung, dass es vor allem an drei Grundvoraussetzungen fehlt:

1. Strategie und Mindset

Um die digitale Transformation in Deutschland erfolgreich vorantreiben zu können, bedarf es einer Digitalstrategie aus der Politik. In dieser müssen prägnante Ziele formuliert sein, die auf die Bedürfnisse der Menschen abzielen und durch die Kernkompetenzen unserer Wirtschaft unterstützt werden. Ein durchdachter und glaubhafter Maßnahmen- und Investitionsplan zur Stützung der Strategie ist hierbei dringend notwendig. In den Strategien der Unternehmen müssen der Kunde und sein Wohl jederzeit im Vordergrund stehen. Angebotene Produkte, Dienstleistungen und Services sollten stetig hinterfragt und angepasst bzw. innoviert werden.

Gleichzeitig müssen wir eine Art Aufbruchsstimmung schaffen, die der Sättigung des Landes entgegenwirkt und Veränderung schafft. Es scheint als würde sich unsere stabile Wirtschaft auf ihren Erfolgen ausruhen. Doch wie schnell und teilweise überraschend ganze Industriezweige durch digitale Lösungen eliminiert werden können, haben bereits einige Beispiele aus der Vergangenheit gezeigt. Oder wer hätte vor einigen Jahren noch gedacht, dass ein Smartphone eines Tages den üblichen Wecker oder das Navigationsgerät überflüssig macht?

Die digitale Transformation wird vor keiner Branche Halt machen – alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden; zum Teil mit Anwendungen, die heute noch unmöglich scheinen oder gänzlich unbekannt sind. Daher brauchen wir einen Unternehmer- und Gründergeist, mit dem wir es schaffen, wettbewerbsfähige Lösungen gegen die Konkurrenz aus dem Ausland hervorzubringen. Wir brauchen das gewisse Selbstbewusstsein, den Mut und Drang, neue Ideen zuzulassen und auszuprobieren. Nur so werden wir im internationalen Wettbewerb mithalten können.

2. Infrastruktur und Rahmenbedingungen

Bevor wir mit der eigentlichen digitalen Transformation beginnen können, müssen Infrastruktur und Rahmenbedingungen geschaffen werden. Beispielsweise sollte ein flächendeckendes 5G-Netzwerk das Ziel sein, um digitale Lösungen zu ermöglichen. Die Anwendungen eines 5G-Standards gehen dabei weit über die Nutzung in privaten Smartphones hinaus. Das 5G-Netzwerk ist unter anderem Grundlage für industrielle Lösungen wie Fernoperationen, Verkehrssteuerung in Echtzeit, autonom fahrende Autos oder im Bereich des Internet der Dinge (Quelle: 5G-Anbieter.info).

Aber auch die Gesetzgebung muss zu vielen neuen Entwicklungen rechtliche Gewissheit schaffen und Lückenlosigkeit garantieren. Der Umgang mit Daten und Privatsphäre sollte hierbei im Vordergrund stehen. Die Digitalisierung bietet nicht nur neue, sondern auch wesentlich komplexere Lösungen. Insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI), die sich selbständig weiterentwickelt, liegen Herausforderungen, die es zu lösen gilt. Um dieser Komplexität entgegenzuwirken, muss möglicherweise auch hier ein radikales Umdenken stattfinden. Macht es eines Tages vielleicht sogar Sinn die Grundlagen der Gesetzgebung zu überdenken, um die Komplexität der Umwelt abbilden zu können? Beispielsweise weg vom Grundsatz „es ist alles erlaubt, was nicht verboten ist“ hin zu „es ist alles verboten, was nicht erlaubt ist“?

3. Digitale Aus- und Weiterbildung

Zwar wird davon ausgegangen, dass durch die Digitalisierung vorerst keine Arbeitsplätze verloren gehen. Dennoch wird sich das Arbeiten wie wir es heute kennen durch die Transformation grundlegend verändern. Es wird vermutet, dass in den kommenden Jahren rund 1,5 Millionen Stellen neu entstehen, ebenso viele aber auch wegfallen werden (Quelle: WirtschaftsWoche).

Darauf müssen sich insbesondere Schulen und Hochschulen einstellen. Dennoch wird heutzutage nach wie vor im Frontalunterricht vor Kreidetafeln gelehrt. Mit veralteten Technologien und mit Lehrplänen, die sich in den letzten Jahrzehnten nicht wesentlich geändert haben. Ist das noch zeitgemäß oder lehren wir bereits an der Realität vorbei? Eine digitale Umrüstung der Schulen und Hochschulen – zum einen bzgl. deren Ausstattung und zum anderen in den Lehrplänen – ist meines Erachtens dringend notwendig.

Doch auch Weiterbildungsangebote im und neben dem Beruf sowie Möglichkeiten zur Umschulung zwischen Berufen müssen forciert werden. Wir müssen uns auf einen hohen Anpassungsbedarf einstellen, da sich Berufsbilder und Anforderungsprofile in Unternehmen verändern werden. Es wird Stellenzuwächse vor allem im IT-Bereich geben, aber auch bei Gesundheit, Pflege und kreativen Tätigkeiten, die sich nicht automatisieren lassen (Quelle: WirtschaftsWoche). Die Analyse eines Röntgenbilds kann eine KI zum Beispiel heute schon besser durchführen als ein Mensch. In der Pflege hingegen zählt die menschliche Nähe – eine Eigenschaft, die Maschinen in naher Zukunft wohl noch nicht oder nie erlernen werden. Welche Berufe und Mitarbeiter werden in Zukunft also am ehesten nachgefragt werden?

Anpacken und loslegen!

Neben den drei genannten gibt es zweifellos eine Reihe weiterer Ansatzpunkte, um die digitale Transformation in Deutschland voranzutreiben. Sicher ist, dass wir entschlossen und zielstrebig handeln müssen, um im globalen Wettbewerb erfolgreich zu bleiben. Hohe Investitionen, am besten im Zusammenspiel mit ganz Europa, werden nötig sein, um in einigen Jahren immer noch an der Spitze der Weltwirtschaft mitspielen zu können. Wobei unter Investitionen nicht nur reines Kapital, sondern insbesondere auch die Ressource Mensch und dessen Willensstärke zu verstehen ist. Daher sollten wir unsere günstige Ausgangslage nutzen und loslegen – in der Wirtschaft, Politik und jeder für sich!

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