07.07.2017 | Autor: Stephan Wegerer | Lesedauer: 3 Minuten

Transformative Technologien

Bausteine für den Wandel

07.07.2017 | Autor: Stephan Wegerer
Lesedauer: 3 Minuten

Gerade für Familienunternehmer stellt der digitale Wandel eine große Herausforderung dar. Sie haben ihre Unternehmen nicht digital aufgebaut und eine völlig andere Denkweise als Start-ups mit digitalen Geschäftsmodellen. Diese neuen Wettbewerber graben den heutigen Marktführern zunehmend Umsatz ab und verhindern deren weiteres Wachstum. Untätigkeit wird dabei schnell bestraft – das Tempo, in dem Unternehmen ihre Marktposition verlieren können, hat wesentlich angezogen.

Autor Stephan Wegerer Senior Projektleiter

Viele Technologien werden entwickelt, um Kosten zu reduzieren und permanente Produktverbesserungen zu ermöglichen. Transformative Technologien gehen darüber hinaus. Sie schaffen grundlegende Veränderungen. Sie durchdringen die Wertschöpfungsketten ebenso wie die Arbeitsmethoden. Als digitale Bausteine ermöglichen transformative Technologien neue Geschäftsmodelle und Produkte. Dabei handelt es sich meistens um Querschnittstechnologien, die branchenübergreifend zum Einsatz kommen. Dazu zählen zum Beispiel Cloudtechnologien, Industrieroboter, Drohnen, Nanotechnologie, Neurotechnologie, Mikrotechnologie und Sensorik.

Cloud, Big Data und Sensorik

Die Cloudtechnologie ermöglicht immer mehr Software-as-a-Service-Anwendungen (SaaS). Gerade diese Entwicklung wird zu tiefgreifenden Veränderungen in den Unternehmen und ihren Beziehungen führen. Wenn sich nämlich Daten über Produktionsanlagen in der Cloud befinden, können daraus Wartungs- und Ersatzinvestitionen über Unternehmensgrenzen hinweg gebündelt werden. Es zeichnet sich ab, dass traditionelle Lieferanten-Kunden-Beziehungen künftig nicht mehr in stabilen Lieferketten organisiert sein werden, sondern in Netzwerken. Dort treffen Lieferanten immer wieder auf neue Wettbewerber und müssen sich ständig neu beweisen.

Big Data ist ein immens wichtiger Baustein auf dem Weg zu neuen digitalen Geschäftsmodellen. Daten sind das neue Erdöl, der neue Rohstoff, der die Wirtschaft am Laufen hält. Dabei geht es nicht so sehr um die technische Herausforderung, große Datenmengen zu sammeln. Viel wichtiger ist die Datenanalyse, die Auswertung von Daten. Für die Unternehmen bedeutet das Investitionen in eine entsprechende Datenverarbeitung und vor allem in Personal, das über das richtige Wissen darüber verfügt, was es bedeutet, Daten zu analysieren, zu interpretieren, grafisch darzustellen und mehrwertstiftend weiterzuverarbeiten.

Unternehmen, die in der Lage sind, der zunehmenden Datenflut Herr zu werden, haben schon gewonnen. Viele dieser Firmen werden Start-ups sein, die Big Data nutzen, um auf Analysen basierend strategische Entscheidungen zu treffen. Die Fähigkeit, Big Data in Echtzeit in Business Intelligence zu verwandeln, wird jedem Unternehmen einen klaren Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Sensoren ermöglichen zum Beispiel Wearables. Sie machen die Verbindung zwischen Mensch und Technik für uns alle erlebbar und nützlich. Sie sorgen dafür, dass Menschen ihre Fitness und Gesundheit beobachten, sich Wettbewerbe liefern, Ärzte den Gesundheitszustand ihrer Patienten überwachen können und vieles mehr. Sensoren spielen auch in der Produktion eine große Rolle. Sie übernehmen zum Beispiel zunehmend die Qualitätskontrolle, zeigen an, wann neue Werkzeuge gebraucht werden, wann eine Überholung nötig ist, oder sammeln Daten über den Verschleiss und ermöglichen so die Herstellung besserer/langlebigerer Werkzeuge und Predictive Maintenance. Sensoren in Kabeln erkennen die Gefahr entstehender Brände, bevor sie sich durch Geruch oder Verfärbung von Kabelisolierungen bemerkbar machen.

Maschinelles Lernen

Algorithmen, die aus riesigen Mengen netzwerkbasierter Daten und Metadaten lernen und auf dieser Basis sogar Voraussagen treffen können, werden die Welt der Rechenzentren und Netzwerke verändern. Dieser Prozess hat bereits begonnen. Man denke nur an die Veränderungen, die Funktionen wie Sprach- und Gesichtserkennung in der Unterhaltungselektronik und bei den entsprechenden Cloud Services verursacht haben. Sich selbst steuernde U-Bahnen, formvollendet agierende Roboter-Butler, Kühlschränke, die fehlende Lebensmittel auflisten, sind keine Zukunftsmusik mehr. Bereits heute gibt es zahlreiche Beispiele, wie die Kombination von klassischer Automatisierungstechnik und künstlicher Intelligenz unseren Alltag beeinflusst. Doch nicht nur unser Alltag wird durch Automatisierung und Roboter verändert, der technologische Fortschritt wirkt sich auf den gesamten Arbeitsprozess aus. Er verändert, was an Arbeit geleistet wird und wie sie getan wird.

Disruptiv statt erhaltend

Schaut man sich die durch transformative Technologien angestoßenen Entwicklungen genauer an, wird man feststellen, dass so gut wie immer Technik und Konnektivität, eine intelligente Infrastruktur und der intelligente Einsatz von IT-Ressourcen zum Einsatz kommen. Dabei sollte man nicht vergessen, dass es im eigentlichen Sinne nicht um Technologie-Veränderungen, sondern um Veränderungen auf Ebene des Geschäftsmodells geht. Natürlich benötigt man auch technische Kompetenzen, um die Chancen für sich zu nutzen, doch die Unternehmen brauchen vor allem Kompetenzen darin, wie man ein digitales Geschäft vorantreibt. Denn deutsche Unternehmen drehen meistens nicht das große Rad, sondern konzentrieren sich auf die Perfektionierung und Weiterentwicklung der technischen Seite ihrer Produkte. Ihre Innovationen gleichen eher Evolutionen als Revolutionen. Häufig steht das Produkt im Mittelpunkt und nicht die Bedürfnisse des Kunden. Deshalb sind deutsche Innovationen in der Regel erhaltend beziehungsweise evolutionär anstatt disruptiv.

Disruptiv bedeutet, dass das Gleichgewicht eines Systems oder einer Branche «zerstört» wird. Das MP3-Format zum Beispiel hat das Gleichgewicht der Musikbranche durcheinandergebracht, denn die Menschen konnten plötzlich nicht nur große Datenmengen auf die kleinen Player laden, sondern ihre Musik auch teilen – an der Musikbranche vorbei. Schallplatte und CD fielen der neuen Erfindung zum Opfer.

Neue Geschwindigkeit

Digitale Technologien beschleunigen Veränderungen. Sie geschehen viel schneller als bisher. Veränderungen werden künftig exponentiell sein. Ein Indiz für die neue Geschwindigkeit sind die Marktdurchdringungszeiten für digitale Produkte. Wenn wir uns Innovationen der Vergangenheit und der Gegenwart anschauen, wird deutlich, dass die Marktdurchdringungszeiten immer kürzer werden. Es hat 35 Jahre gedauert, bis ein Viertel der Bevölkerung das Telefon genutzt hat, beim Mobiltelefon ging das in nur 13 Jahren. Das iPhone brauchte dazu gerade einmal zweieinhalb Jahre. Erst nach 26 Jahren nutzte ein Viertel der Bevölkerung Schwarz-Weiß-Fernseher, beim Farbfernseher dauerte es nur 18 Jahre. Die DVD setzte sich innerhalb von fünf Jahren durch.

Familienunternehmen müssen sich dem Wandel der Zeit stellen, um den Unternehmenserfolg aktiv zu sichern. Der Generationenwechsel in Familienunternehmen wird den Trend bald beschleunigen. Dabei kommt auch das Geschäftsmodell auf den Prüfstand, denn wer in der Zukunft eine relevante Rolle spielen will, muss sich fragen: Braucht man mein Produkt morgen noch? Digital reife Unternehmen stehen auf jeden Fall besser da als andere und erzielen höhere Gewinne. Denn zukunftsfähig ist, wer bereits heute in der Lage ist, die Probleme von morgen zu lösen.

Checkliste

Wenn Sie nachhaltig Gewinne erzielen möchten, sollten Sie sich Gedanken über die nächsten fünf Jahre und darüber hinaus machen. Die Unternehmensstrategie muss den Antworten entsprechend überdacht werden.

  • Welches sind die wichtigsten transformativen Technologien, und mit welchen Trends sind sie verknüpft?
  • Welchen Einfluss haben sie auf die Wertschöpfungskette unserer Branche?
  • Wie beeinflussen sie Produkte, Services, Marketing, Vertrieb und operative Systeme?
  • Welche Bedeutung werden sie für die Entwicklung des Unternehmens haben?
  • Welche Chancen und Risiken ergeben sich daraus für Ihr Unternehmen?
  • Haben Ihre Mitarbeiter künftig noch die Fähigkeiten, die das Unternehmen braucht?
  • Welche Fähigkeiten können/sollten weiterentwickelt werden?
  • Welche Art von Unternehmen wird künftig in Ihrer Branche die Nase vorn haben?
  • In welchen Bereichen muss sich die Organisation verändern?
  • Welche neuen Kompetenzen brauchen Sie auf Führungs- und Mitarbeiterebene?
  • Welche Möglichkeiten haben Sie, diese neuen Kompetenzen zu gewinnen (Zukäufe)?
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