16.05.2019 | Autor: Julian van der Linden | Lesedauer: 3 Minuten

Start-ups – where are you?

16.05.2019 | Autor: Julian van der Linden
Lesedauer: 3 Minuten

„Die NASA macht jetzt auch irgendwas mit Start-ups“ – das ist mir von einer Newsletter-Einleitung von vor ein paar Wochen hängengeblieben. „Irgendetwas mit Start-ups“ – das erinnert mich stark an die Frage eines befreundeten Unternehmers vor einigen Monaten: „Wir wollen auch etwas mit Start-ups machen, wie kommt man eigentlich ran an diese Start-ups?“.

Autor Julian van der Linden Projektleiter

So einfach strukturiert diese Frage im ersten Moment daher kommen mag, offenbart sie doch eine grundsätzliche Herausforderung – nämlich dass der Themenkomplex „Start-ups“ gar nicht so leicht zu greifen ist, und gleichzeitig ein ganz ordentlicher Hype veranstaltet wird, dem man sich nur schwer entziehen kann. Gerne möchte ich die Antworten und Gegenfragen an meinen befreundeten Unternehmer mit Ihnen teilen.

Zielbild und Suchfeld – Woran erkennst Du, dass deine Suche nach einem Start-up erfolgreich war?

Wenn Sie auch „irgendetwas mit Start-ups“ machen möchten, dann hinterfragen Sie bitte zunächst Ihre Motivation. Geht es Ihnen um neuartige und agile Arbeitsweisen und Methoden, oder um die Entwicklung und Anwendung von Technologie und digitalen Geschäftsmodellen, um Kultur und Risikofreudigkeit der jungen Unternehmen? Geht es Ihnen darum, bei den potentiell lukrativen Geschäftsmodellen der Zukunft dabei zu sein oder dem vagen Gefühl, gerade abgehängt zu werden von neuen Wettbewerbern? Oder geht es Ihnen um das Erschließen neuer Geschäftsfelder und Wachstumsmöglichkeiten oder das Portfoliomanagement des eigenen Familienvermögens? Oder möchten Sie die Wertschöpfungskette Ihres Unternehmens erweitern oder radikal verändern? Oder Zugang zu neuen Kundensegmenten erschließen?

Diese und ähnliche Fragen stelle ich Unternehmerfamilien und Familienunternehmen ganz am Anfang bei der Suche nach Start-ups – weil wir ein grobes Zielbild brauchen, das einen ersten, individuellen Ansatz vorgibt. Unternehmern, die sich eine Kooperation mit Start-ups vorstellen können, empfehle ich, sich ihrer Ziele mittels der folgenden Fragen bewusst zu werden:

  • Was will ich durch eine Zusammenarbeit an einem Start-up erreichen? Was soll als Ergebnis raus kommen?
  • Was sind meine strategischen Ziele hinsichtlich Wachstum, Renditesteigerung und/oder Risiko-Optimierung?
  • Welchen Zeithorizont erwarte ich mir, um ein Ergebnis (welches auch immer) zu erhalten? Kurz- (1-3 Jahre), mittel- (3-5 Jahre) oder langfristig (5-7 Jahre)?
  • Kann ich durch eine Zusammenarbeit meinen Kunden einen höheren Nutzen bieten? Wenn ja, wodurch? Oder mein Unternehmen intern effizienter und schneller machen
  • Will ich durch eine Start-up-Zusammenarbeit Wettbewerbsvorteile ausbauen oder Neue kreieren?
  • Soll eine Zusammenarbeit eher auf losen Kontakten aufbauen, projektbezogen sein, im Rahmen eines Kunden-Lieferanten-Verhältnis ablaufen oder ist gar eine Beteiligung denkbar?

Und Sie sollten auch thematische Suchfelder grob für sich eingrenzen – diese können Technologien, Branchen, Anwendungen oder ähnliches umfassen. So wird meine Empfehlung und die Suche nach interessanten Start-ups ganz anders aussehen, wenn Sie sich beispielsweise näher mit sogenannten Fintechs beschäftigen und darin investieren wollen, als wenn Sie ein junges KI-Entwicklerteam für industrielle Verfahrenstechnik (samt ihres Start-ups) aufkaufen möchten, um das entsprechende Know-how ins eigene Unternehmen zu integrieren.

Ein Unternehmer, den wir seit langen Jahren begleiten, antwortet darauf für sich sehr klar: Er beteiligt sich an einigen wenigen Start-ups – jeweils mit überschaubaren Beträgen – die eine gewisse Reifephase erreicht haben, üblicherweise einen sogenannten Proof-of-concept. Ihm ist ganz wichtig, dass „seine“ Start-ups tatsächlich etwas produzieren, etwas verarbeiten, d.h. Produkte, „Dinge, die sich anfassen lassen“ – und zwar im B2B-Kontext. In diesem Suchfeld fühlt er sich wohl und kann neben Kapital auch eigene Erfahrungen einbringen – und gegebenenfalls auch eines Tages Wettbewerbsvorteile für die eigene Unternehmensgruppe sichern. Zu diesem Suchfeld kann man nun stehen, wie man will: Dem einen geht es zu wenig um Digitalisierung, der nächste sieht „everything-as-a-service“ als das nächste große Ding. Die Beteiligung in „reifere“ Start-ups kann ein geringeres Risiko für das Beteiligungskapital bedeuten – möglicherweise sind dann aber auch schon Risikokapitalgeber und Angel Investors mit an Bord und haben Teile des zukünftigen Kuchens schon verteilt.

Vom Suchen und Finden

Aber zurück zur Ausgangsfrage – „Wie kommt man eigentlich ran an diese Start-ups?“. Auch diese Frage meines befreundeten Unternehmers verlangt nach einer typischen Berater-Antwort: „Kommt drauf an“. Mit der Beantwortung der bereits gestellten Fragen fällt die Auswahl an Suchmöglichkeiten einfacher – allerdings ist auch für diesen Such- und Findungsprozess ein langer Atem und kontinuierliche Beziehungspflege nötig. Gerne teile ich die folgenden Empfehlungen, die auch der befreundete Unternehmer erhielt, mit Ihnen – und bitte Sie, die Beispiele zu nutzen, um das Start-up-Ökosystem in Ihrer Region zu erforschen.

Im ersten Schritt empfehle ich Ihnen die regelmäßige Lektüre von Brancheninformationen, die oftmals praktisch als regelmäßige Newsletter verpackt werden – beispielsweise von Gründerszene, deutsche-startups.de, die „Gründer“-Seite der WirtschaftsWoche oder – mit US-amerikanischem Fokus und launigem Newsletter – CB Insights.

Der zweite und aus meiner Sicht unerlässliche Schritt: Weg vom Schreibtisch und Leute treffen – egal ob Gründer, Leute mit verrückten Ideen, Kapitalgeber, Business Angels etc. Bestimmt gibt es auch in Ihrer Region – es muss nicht immer Berlin sein – eine bunte Vielfalt von unterschiedlichen Treffen, Konferenzen und Formaten, die es wert sind besucht zu werden – und wenn es nur darum geht, dass man danach weiß, dass man nicht mehr hingehen sollte. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit und Passgenauigkeit könnten folgende Netzwerke und Plattformen für Sie interessant sein: „Bitz & Pretzels“, eine Mischung aus Konferenz und Festival in München, „AUFSCHWUNG“ als Leitmesse und Plattform für die FrankfurtRheinMain-Region, die „Hinterland of Things“-Konferenz, die sich dem Internet der Dinge im deutschen Mittelstand verschrieben hat oder auch „BayStartUP“ als bayerische Plattform für Businessplan-Wettbewerbe, „Demo Nights“, Workshops und Netzwerkveranstaltungen.

Über diverse Veranstaltungen können Sie sich auch gut an den dritten Schritt herantasten: Kontakt zu den sogenannten Acceleratoren aufbauen, also zu Initiativen, Anbietern und Programmen zur Identifikation, Auswahl und Unterstützung von Start-ups bei deren Weiterentwicklung und Skalierung. Lohnenswerte Adressen und Kontaktpunkte sind hier sicherlich: „Startup Autobahn“ mit seinem Hauptquartier in Sindelfingen, der „ZOLLHOF – Tech Incubator“ aus Nürnberg mit seinem sehr großen Veranstaltungsspektrum oder das „betahaus“ als Pionier in der Berliner Coworking- und Start-up- Community. Bitte vergessen Sie in diesem Zusammenhang nicht die Kontakt- und Transferstellen der Universitäten und Forschungseinrichtungen (beispielsweise das „AHEAD“-Programm der Fraunhofer Gesellschaften) bei Ihnen in der Region!

Sie sehen, wenn auch Sie „etwas mit Start-ups“ machen möchten, gibt es viele Ansatzpunkte. Mit meinen Empfehlungen sollte der Hauptgrund, warum sich Geschäftsführer nicht mit Start-up-Kooperationen beschäftigen, für Sie bald nicht mehr gelten – laut Bitkom-Studie geben nämlich 73% der Befragten an, keine Kontakte zu Start-ups zu haben. Und bitte: Gehen Sie es an – denn vermutlich verschläft gerade die Hälfte Ihrer Mitbewerber diese Entwicklung und geht damit – vermutlich unbewusst – ein hohes strategisches Risiko für das eigene Unternehmen ein.

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