07.06.2018 | Autor: Susan Faatz | Lesedauer: 4 Minuten

Menschen (Manager) als Hochleistungsmaschinen

– Warum das eigene Auto nicht mehr als der eigene Körper gepflegt werden sollte

07.06.2018 | Autor: Susan Faatz
Lesedauer: 4 Minuten

Neue Märkte, volatile Welt, Disruption … die mentalen, aber auch körperlichen Anforderungen an Unternehmer und ihre Mitarbeiter steigen im Geschäftsalltag stetig an. Seit 2012 ist die Zahl stressbedingter Fehltage in deutschen Unternehmen von 20 auf 30 Mio. angestiegen. Eine beunruhigende Entwicklung.

Regelmäßig untersucht das Bundesministerium für Gesundheit in aktuellen Erhebungen nicht nur den Gesundheitszustand der Deutschen, sondern auch warum wir krank sind und welche Tendenzen bei Krankmeldungen am Arbeitsplatz erkennbar sind.

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Fakt ist: Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen nehmen inzwischen 15% aller Ausfälle am Arbeitsplatz ein. Brisant ist für die Unternehmen hier vor allem auch die durchschnittliche Ausfalldauer von 36 Tagen. Diese ist dreimal so hoch wie die Fehlzeit bei anderen Erkrankungen. Die Zeiten in denen der Satz „Ich fühle mich immer so gestresst!“ leichtfertig vom Tisch gewischt wird, sollten also vorbei sein. Denn dauerhafter Stress hat mentale und körperliche Folgen, die dazu führen, dass unsere Leistungsfähigkeit gemeinsam mit unserer Lebensqualität immer weiter sinkt.

Niemand würde auf die Idee kommen einen Marathon ohne eine gründliche Vorbereitung zu laufen – aber im Arbeitsleben gehen wir ganz selbstverständlich häufig über Belastungsgrenzen hinweg!

Unser Körper und unser Geist sind wahre Wunderwerke der Natur. Wir sind dazu in der Lage körperliche Höchstleistungen zu vollbringen sowie kreative Innovation in unserem Geiste zu erschaffen. Doch was häufig vergessen wird ist, dass auch unsere „Maschine“ nicht über endlose Ressourcen verfügt.

In meinen Seminaren oder in Gesprächen mit Unternehmern führe ich gerne als Beispiel ein Auto an. Teuer angeschafft und wichtig, um mobil zu bleiben. Wir sind schon etwas abhängig von der Fahrbereitschaft unseres Autos, nicht wahr? Daher stellen wir sicher, dass wir jeden Servicetermin einhalten. Ein leises Klopfen aus Richtung Motor ignorieren wir nicht monate- oder sogar jahrelang. Die benötigte Zeit und auch das nötige Geld zur Wartung planen wir ein.

Überraschenderweise kenne ich jedoch gleichzeitig folgende Sätze zur Genüge: „Ich schlafe schon seit Wochen nicht so gut und immer diese lästigen Kopfschmerzen.“ „Rückenschmerzen? Habe ich schon seit Jahren, aber was soll man da machen?“ „Ja, mein Arzt sagt mir auch immer wieder, dass ich etwas ändern muss.“ Dieser Mangel und Aufmerksamkeit uns selbst gegenüber senkt unsere Leistungsfähigkeit und macht auf Dauer krank.

In der einen Hälfte des Lebens opfern wir unsere Gesundheit, um Geld zu verdienen. In der anderen Hälfte opfern wir Geld, um die Gesundheit wiederzuerlangen. (Voltaire)

Verhaltensänderung ist eine große Herausforderung und eingeschliffene Gewohnheiten lassen sich nicht über Nacht abstellen. Der Mensch ist grundsätzlich durch zwei Dinge motivierbar: Leid oder Lust. Wir brauchen also entweder aus uns selbst heraus die Lust nach Veränderung oder den sprichwörtlichen „Warnschuss“ vor den Bug. Der Wahrheit ins Gesicht geblickt: Die meisten handeln erst, wenn es eigentlich schon fast zu spät ist. Jahrelanges Übergewicht, Gefäßverengungen, Blutdruckprobleme, beginnende Diabetes, chronische Rückenschmerzen oder Verspannungen – die Mehrzahl an Varianten körperlicher Beschwerden ließe sich durch eine gesunde Lebensweise mit ausreichender Bewegung und einer gesunden Ernährung im großen Maße vorbeugen bzw. beheben.

Es sind die vielen kleinen Dinge, die wir über einen langen Zeitraum immer wieder tun, welche am Ende den Unterschied machen.

Neben den bereits vielen körperlichen Symptomen, die Stress oder Überlastung auslösen können, darf man die mentalen und psychischen Auswirkungen nicht vergessen. Auch wenn diese oft erst später zu identifizieren sind.

Unruhe, Schlafmangel, Konzentrationsschwäche, Müdigkeit oder der langsame Rückzug aus sozialen Umfeldern sind Vorboten und ernstzunehmende Warnsignale, dass etwas in uns aus dem Gleichgewicht geraten ist. In diesem Feld der Belastungsstörungen ist ein positiver Trend zur Akzeptanz auf dem Vormarsch. Während vor einigen Jahren psychische Erkrankungen Tabuthema waren oder unter einem Vorwand anderer körperlicher Beschwerden gerne unter den Teppich gekehrt worden sind, ist es heute einfacher offen darüber zu sprechen, Hilfe zu suchen und diese auch zu finden.

Aber was genau macht der Stress mit unserer Psyche? Warum leiden mache Menschen mehr darunter als andere?

Was passiert mit uns in stressigen Situationen? Unser Körper und unser Geist machen keinen Unterschied zwischen äußerlichen „realen“ Stressoren wie zum Beispiel einer gefährlichen Situation (wir laufen eine Straße entlang und werden angegriffen) oder einer mentalen Stresssituation wie einer Deadline für ein wichtiges Projekt.

Unser Körper schüttet Stresshormone wie Cortisol und Catecholamine wie Adrenalin aus, um uns bestmöglich vor eventuellen körperlichen Schäden zu schützen. Die Gefäße unseres Blutsystems werden verengt, der Muskeltonus steigt und die Durchblutung innerhalb unseres Organsystems wird auf die zur Abwehr nötigen Systeme gelenkt. Andere Systeme, wie zum Beispiel unser Verdauungstrakt, rücken zunächst in den Hintergrund und die Aktivitäten hier werden auf ein Minimum reduziert.

Menschen, die aus Gewohnheit eher Stressesser sind, legen in solchen Zeiten schnell ein paar Kilo zu. Denn der Körper verdaut nur „das Nötigste“ und legt den Rest sofort in Depots an. Oder es kommt zur gegensätzlichen Reaktion: Sie haben keinerlei Hungergefühl und verlieren rasant Gewicht, da der Körper in Stressphasen der Nahrungsaufnahme keine Priorität beimisst.

So eingestellt besitzen wir für einen kurzen Zeitraum eine verbesserte Reaktionsfähigkeit, kognitive Fähigkeiten wie Sinneswahrnehmung sind erhöht, unsere Schmerzwahrnehmung ist eingeschränkt und die abrufbare Muskelleistung ist maximal. Bekannt ist dieser Zustand auch als „Fight or Flight“-Modus. Wir sind in einer gefährlichen Situation und unser Körper stellt sich auf Gegenwehr (Fight) oder eine möglichst schnelle Flucht (Flight) ein.

Im Normalfall fällt dieser „Ausnahmezustand“ in unserem Körper nach einiger Zeit wieder ab. Hormone balancieren sich wieder aus und unser Körper fordert Ausgleich für diese Anstrengung in Form von Hunger und Müdigkeit. Das High, das manche Menschen in diesen stressigen Zeiten erleben, ist klar durch die kurzfristig erhöhte Leistungsfähigkeit zu erklären. Wir haben nicht das Gefühl, dass etwas fehlt. Dies ist aber ein trügerischer Zustand, den unser Körper bewusst erzeugt – in dem „Glauben“ der Druck ließe in absehbarer Zeit nach!

Kurz zurück zum Auto-Beispiel: Wenn ich ein Rennen fahre und Motor, Getriebe für eine bestimmte Distanz maximal beansprucht werden, ist es völlig logisch, dass ich nach dem Rennen erst einmal einen Service und Wartungsarbeiten an meiner Rennmaschine durchführen muss, um langfristige Schäden zu vermeiden.

Gleiches gilt für unseren Körper! Und im Hinblick darauf, dass mentaler und psychischer Druck genau dieser Belastung gleichkommen: Bekommen Ihr Körper und Geist genügend Zeit sich davon zu erholen?

Erholung bedeutet: Mentaler Ausgleich und Entspannung, ausreichende Zufuhr benötigter Nährstoffe in einer ausgewogenen Ernährung und ausreichend Schlaf.

Begeben wir uns langfristig in eine Bringschuld unserem Körper gegenüber in diesem Balanceverhältnis, kann unser Körper irgendwann den „Wohlfühlfaktor“ im Stress nicht mehr aufrechterhalten. In diesem Moment treten dann die ersten spürbaren Symptome auf. Diese Symptome sind sehr individuell: Körperlich oder mental, schleichend oder auf einen Schlag. Ebenso ist die Grenze, bis zu der unser Körper gehen kann, von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Es gibt Fälle in denen schon nach kurzer Zeit im Stress bereits spürbar die Lebensqualität eingeschränkt wahrgenommen wird. In anderen Fällen gibt der Körper nach langfristigen Überlastungen durch schwerwiegende, oft plötzlich auftretende Erkrankungen nach. Schlaganfälle, Herzinfarkte, Diabetes sind nur einige der Schreckgespenster, die wir gerne aus unserem Geist verbannen wollen.

Es gibt nie den perfekten Moment – und „heute“ ist immer der richtige Tag mit einem gesünderen Leben zu beginnen!

Neben einer generellen Verantwortung für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter ist laut Präventionsschutzgesetz der Arbeitgeber auch proaktiv bei der Vorbeugung und Früherkennung von Erkrankungen gefordert. Kein leichtes Unterfangen aber in Hinblick auf die bedenkliche Entwicklung von Überlastungserkrankungen eine große Chance! Denn der Verlust von wichtigen Mitarbeitern, die sich aufgrund von chronischen Krankheiten oder Überlastungsstörungen aus dem Arbeitsalltag für eine längere Zeit zurückziehen müssen, kosten Firmen weit mehr als die finanziellen Mittel und Aufwände um Ersatz zu organisieren. Ins Gewicht fallen vor allem auch der Verlust von Know-how und dass Leistungsträger in Teams oder Führungspositionen auf einen Schlag fehlen.

Ein sinnvoll auf die Firma und Mitarbeiter abgestimmtes Gesundheitskonzept kann die Fehlzeiten durch Krankmeldungen absenken und steigert die Produktivität oft deutlich. Denn gesunde Mitarbeiter leisten mehr und qualitativ hochwertigere Arbeit.

Die Herausforderung ist, ein Gesundheitsmanagement zu implementieren, welches die Mitarbeiter wirklich mitnimmt. Um nachhaltigen Sinn und Bewusstsein für einen gesünderen Lebensstil zu schaffen, braucht es mehr als nur das Angebot einer Subvention für Fitnesskurse. Gesundheitskompetenz zu erhöhen und den Mitarbeiter bei der persönlichen Entwicklung zu unterstützen, erzielt auf Dauer Erfolge, welche sich in der Zahl der Krankheitstage, der Mitarbeiterzufriedenheit und auch der Wahrnehmung der Arbeitgeberattraktivität widerspiegeln.

In der strategischen Ausrichtung und Planung der Mitarbeiterweiterentwicklung lohnt es sich also, den Fokus viel stärker auf mentale und körperliche Gesundheit zu legen.

Denn die Gesundheit ist nicht alles … aber ohne sie ist alles nichts! (Arthur Schopenhauer)

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