27.05.2019 | Autor: Dr. Anna Souksengphet | Lesedauer: 3 Minuten

„Der Mensch ist der Wirkstoff“

Familien-Unternehmertag 2019

27.05.2019 | Autor: Dr. Anna Souksengphet
Lesedauer: 3 Minuten

Was macht Familienunternehmen heute und in zehn Jahren erfolgreich? Zukunftsstrategien und disruptive Geschäftsmodelle entwickeln, die digitale Transformation weiter umsetzen, neue Produkte auf den Markt bringen, Kunden begeistern – all dies trägt unbestritten zum Erfolg bei. Beim diesjährigen Familien-Unternehmertag der WeissmanGruppe waren sich die Referenten unterschiedlichster Branchen und Unternehmensgrößen zudem einig, dass die wichtigste Rolle glückliche Mitarbeiter spielen.

Autorin Dr. Anna Souksengphet Marketing/PR

Holger Raithel, geschäftsführender Gesellschafter der KAHLA/Thüringen Porzellan GmbH, liegt besonders am Herzen, dass das Porzellan zu 100 Prozent in Deutschland gefertigt wird und seine Mitarbeiter zufrieden sind. Er gewährte einen Einblick in die Entwicklung von Innovationen für die Sinne. Das gute Kaffeeservice, das aus dem Schrank hervorgeholt wird, wenn die Oma am Sonntag zu Besuch kommt, hat ausgedient. Der Porzellanhersteller widmet sich mit Leidenschaft der Frage „Wie essen Menschen in Zukunft?“ und einem multifunktionalen Design, das Familien, Individualisten, Reisende, Gastronomen und diverse Kundentypen mehr begeistert. Neben speziellen Beschichtungen wie Samt oder Grip experimentiert KAHLA mit intelligenten Tassen mittels RFID-Chip, die u.a. messen, wiegen oder bezahlen können. „Da sind freaky Sachen dabei, aber all das wird kommen.“

Lass die Leute machen!Gerd Hofrichter

Dass aus weichen Faktoren harte Wettbewerbsvorteile werden, dessen ist sich Gerd Hofrichter sicher. Seit 21 Jahren verantwortet er die Unternehmenskommunikation der Konditorei Junge GmbH. Selbstverständlich müsse ein Unternehmen seinen Kunden hervorragende Produkte bieten. Der Trend gehe jedoch ganz klar zur Erlebnisorientierung. Das norddeutsche Familienunternehmen will besondere Momente für die Mitarbeiter und damit besondere Momente für die Gäste schaffen. Junge-Mitarbeiter wurden bereits vor zehn Jahren im Rahmen eines Wettbewerbs aufgerufen, in einem eigens eingerichteten Forum Vorschläge online einzureichen, wie man die Unternehmenswerte mit Spaß implementieren kann. Die eigene App „JuMP“ dient als Mitarbeiter-Portal und zur Messung des Wohlfühlfaktors und wird derzeit von 2300 Mitarbeitern genutzt. Die Rechnung ging auf. Das „Junge Werte“-Video, in dem Mitarbeiter backen, verkaufen, mit Brötchen jonglieren, zum Unternehmenslied tanzen und gemeinsam im Konfettiregen feiern, macht deutlich: den Mitarbeitern geht es bei ihrer Arbeit gut und sie haben Spaß an ihrem Tun. Dies spüren wiederum die Gäste, die neben der Qualität der Backwaren die Freundlichkeit und das Lachen des Personals loben – und am Ende auch das Unternehmen in der Kasse. Daher lautet Gerd Hofrichters klare Empfehlung: „Lass die Leute machen!“

Ähnlich sieht es Johannes Schulz-Hess, der in zehnter Generation das Familienunternehmen KASPAR SCHULZ führt, die älteste Brauereimaschinenfabrik der Welt und Bambergs ältester noch existierender Industriebetrieb. Das Arbeitsklima sei besonders wichtig, denn nur mit einer gelebten Unternehmenskultur stelle sich Wachstum und Erfolg nachhaltig ein.

Benjamin Bauer, CEO der Zollhof Betreiber GmbH, ist schon seit seiner Schulzeit in der Tech- und Gründerszene aktiv. In seinem Vortrag zeigte er, wie Start-ups und etablierte Unternehmen von Inkubatoren profitieren können und betonte, dass im Rahmen des digitalen Wandels die Mitarbeiter mitgenommen und für digitale Themen begeistert werden sollten – beispielsweise mit TechDays, Hackathons oder Methoden-Seminaren.

Wer sich selbst fühlt, kann Mitgefühl entwickeln. Sabine Asgodom

Sabine Asgodom, laut Financial Times Deutschland, eine der „101 wichtigsten Frauen in der Deutschen Wirtschaft“, zeigte in ihrem kurzweiligen Vortrag, wie berufliche Kommunikation aussehen kann, damit sie zum Erfolg führt – mit S.E.E.L.E.: Selbstführung, Empathie, Enthusiasmus, Liebe und Elan. Sie plädiert für mehr Nähe, Freundlichkeit und Humor bei der Arbeit sowie Führung nach dem Prinzip „Fragen statt sagen“.

Ob Konfetti, gemeinschaftsstiftende Unternehmenstänze, Umarmungen im Büro oder Mitarbeiter-Apps – die persönlichen Einblicke der Referenten in ihre Familienunternehmen machten deutlich, dass das Leben und Ausleben von Werten durch die Menschen im Unternehmen den Erfolg ausmacht. Darüber hinaus hatten die Teilnehmer in interaktiven Early Bird Gesprächen, u.a. zu den Themen agile Organisationsentwicklung und Strategieumsetzung, rund um den Einstieg ins Familienunternehmen und die Faszination für die Start-up-Welt, sowie beim Gala-Menü die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen und Kontakte zu knüpfen – ganz nach Sabine Asgodoms Motto „Der Mensch ist der Wirkstoff“.

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