11.06.2018 | Autor: Dr. Anna Souksengphet | Lesedauer: 3 Minuten

„Net schwätze, machen!“

Familien-Unternehmertag 2018

11.06.2018 | Autor: Dr. Anna Souksengphet
Lesedauer: 3 Minuten

Wie können Familienunternehmer es schaffen, ihre Unternehmenstradition, das Gute von gestern mit den Möglichkeiten von morgen zu verbinden? Der diesjährige Familien-Unternehmertag der WeissmanGruppe bot dafür eine Plattform der Inspiration. Referenten unterschiedlichster Branchen und Unternehmensgrößen gewährten Einblicke, wie sie in ihren Familienunternehmen mit den Herausforderungen der sich immer schneller drehenden, agilen Welt umgehen.

Autorin Dr. Anna Souksengphet Marketing/PR

Dr. Bertram Kandziora, Vorstandsvorsitzender der ANDREAS STIHL AG & Co. KG, warnte davor, Zukunftsstrategien erst dann zu entwickeln, wenn die Digitalisierung bereits zur Gefahr für das Geschäftsmodell wird. So kommen bei dem Hersteller von Säge- und Schneidwerkzeugen unter anderem Simulationen zum Einsatz, die zum Beispiel die dynamische Belastung einzelner Komponenten simulieren. STIHL hat die Transformation zur intelligent vernetzten, digitalen Fabrik vorangetrieben – mit smarter Logistik, intelligenten Produktionsmaschinen, kollaborativer Robotik sowie digitaler Assistenz bei manuellen Tätigkeiten.

Wie man eine ganze Branche disruptieren und die Welten von Mittelstand und Start-up in Einklang bringen kann, zeigte Simon Tüchelmann. Mit Mitte 20 übernahm er tsf, die in der Krise steckende Stahlguss-Firma seines Opas. Nach dem Konzept des Lean Manufacturing konnte er das schwäbische Unternehmen schnell wieder erfolgreich machen. Angesichts der Veränderungen in der Fertigungswelt von der manuellen Arbeit hin zu digitalen, automatisierten und vernetzten Systemen gründete er parallel das Start-up KREATIZE, dessen Plattform anhand von hochgeladenen Bauteil-Daten automatisch prüft, welches Produktionsverfahren am besten geeignet ist und auch den passenden Produzenten vorstellt. Experimente sieht der junge Unternehmer als Dreh- und Angelpunkt – nach dem Motto „Net schwätze, machen!“. Natürlich könne man von außen zusehen, wie neue Entwicklungen in bedrohlichen Wellen auf traditionelle Unternehmen zukommen. Seine Mentalität sei aber eine andere: „Wir packen die Badehose ein und schauen, wohin uns die Welle führt.“

Im B2C bestellen wir online kaltes Bier für den Feierabend und in zwei Stunden ist es da. B2B dauert zu lang, das kann ich nicht akzeptieren.Simon Tüchelmann

Mensch im Fokus

Perry Soldan, Gesellschafter des Em-eukal-Bonbon-Herstellers in vierter Generation, stellte seinen Fokus auf seine Mitarbeiter heraus: „Klar braucht es Prozesse, aber ich glaube, es funktioniert besser, wenn wir in den Menschen investieren.“ Daher baute er den HR-Bereich von der Personalverwaltung zur Personalentwicklung um, ließ eine Führungswerkstatt einführen und legt besonderen Schwerpunkt auf die Feedbackkultur.

Ähnlich sieht es Stephan Barth von der BARTH-HAAS GROUP, der als weltweit größter Anbieter von Hopfenprodukten seine Arbeitgebermarke in der Metropolregion Nürnberg stärken möchte. So zeigte der Unternehmer die Entwicklung einer starken, emotionalen Marke, deren Kern Inspiration und Sicherheit ausmachen. Dabei gab Stephan Barth selbstironisch auch die ein oder andere Fehlentscheidung aus der Historie des in der 7. bzw. 8. Generation geführten Familienunternehmens zum Besten – „Fehler gehören einfach dazu“.

Matthias Mey führt den Wäschehersteller in der 3. Generation in die Zukunft: „Wir haben die Marke sukzessive modernisiert, ohne die bestehenden Kunden zu verlieren.“ Ob augenzwinkernd oder zum Nachdenken anregend – die Kampagnen von Mey in Zusammenarbeit mit Jung von Matt bleiben in Erinnerung und haben die Kunden als auch die Mitarbeiter im Fokus. Mey behauptet sich im zunehmenden Wettbewerb mit vertikalen Anbietern mit hochwertigen Innovationen wie dem Spacer-BH oder dem „Drunterhemd“ sowie einem beeindruckenden Markenerlebnis auf allen Kanälen, u.a. mit der App „Bra-Pro“, bei der die Nutzer ihre Fähigkeiten beim BH-Öffnen testen können.

Die persönlichen Einblicke der Referenten in ihre Familienunternehmen zeigten, mit welchen Ideen, Experimenten und vor allem mit welcher Haltung man den Herausforderungen jetzt und in Zukunft begegnen kann. Große Zustimmung bei den Teilnehmern fanden darüber hinaus die interaktiven Early Bird Gespräche, u.a. zu den Themen Agilität, Start-ups, Fremdmanagement und Vertrieb sowie die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen, Kontakte zu knüpfen und sich gegenseitig und branchenübergreifend zu inspirieren: „Es wie ein Familientreffen.“

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