25.07.2018 | Autor: Julian van der Linden | Lesedauer: 3 Minuten

Es muss nicht immer Geld fließen

Kooperationsformen zwischen Familienunternehmen und Start-ups

25.07.2018 | Autor: Julian van der Linden
Lesedauer: 3 Minuten

Die Neugier mittelständischer Unternehmen auf Start-ups steigt. Das Spektrum reicht von Interesse an agilen Methoden und Konzepten über die Möglichkeit, die eigene digitale Transformation voranzutreiben, bis hin zum „Aufkaufen“ von potenziell disruptiven Spielern.

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Diesem Interesse folgen nicht immer Taten: Nur ein Bruchteil der kleinen und mittelständischen Unternehmen beschäftigt sich mit Start-ups und den möglichen Formen der Kooperation, obwohl das dringend nötig wäre, denn laut Sebastian Johnson, mehrfacher Gründer, Business Angel und Aufsichtsrat mehrerer Familienunternehmen, wird „die Bereitschaft und die Fähigkeit, Kooperationen – insbesondere mit digitalen Start-ups – einzugehen, für Familienunternehmen künftig erfolgsentscheidend sein“.

Doch Start-ups und Familienunternehmen, die es versucht haben, berichten nicht nur Positives. Die Top 3 der Ursachen für Unzufriedenheit sind: Fehlendes Engagement in der Kooperation, Interessenkonflikte und einseitige Vorteile. Investitionsbereite Unternehmer berichten von unvorbereiteten Gründern ohne Business Plan, die ihr vermeintlich innovatives Konzept nicht auf den Punkt bringen können. Umgekehrt sind ernsthafte Gründer genervt, wenn Mittelständler denken, dass alle Start-ups in Berlin ansässig seien, die große Geldverbrennung im Vordergrund stehe und sowieso alles nur mit Technik und Digitalisierung zu tun habe. Auch vermeintliche Marktgrößen und -experten, die meinen, dem Start-up einen Gefallen zu tun, wenn sie für ein besseres Taschengeld 51 Prozent der Anteile übernehmen, tragen nicht zur Kooperationsbereitschaft bei. Stattdessen bedarf es in der Zusammenarbeit der Begegnung und Interaktion auf Augenhöhe.

Vielfältige Möglichkeiten zur Kooperation

Wer Gefallen findet am Gedanken, mit einem oder mehreren Start-ups zu kooperieren, sollte seine Ziele und Pläne auf die folgenden Parameter gegenprüfen: Die Intensität der Kooperation und das wahrgenommene, subjektive Risiko einer Kooperation. Die vielen Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Start-ups und Familienunternehmen lassen sich durch diese zwei Parameter auf sieben unterschiedliche Formen der Kooperation herunterbrechen. Und alle diese Formen können im Laufe einer längeren Beziehung zwischen Start-up und Familienunternehmen durchlaufen werden – müssen es aber nicht.

Unterstützungsmodelle

Bei diesen Modellen steht der Netzwerkaufbau beziehungsweise der Informations und Wissensaustausch zwischen Familienunternehmen und Start-up als Motivation der Zusammenarbeit im Vordergrund. Dabei kann es um die Inanspruchnahme von Produkten und/oder Dienstleistungen im Rahmen einer temporären oder regelmäßigen Zuliefererbeziehung gehen oder um eine so genannte „lose Kooperation“, deren Basis eine Vereinbarung – meist Absprachen und der typische Handschlag, eher selten mit schriftlicher Fixierung – ist, die die Zusammenarbeit bei einem oder mehreren Themen umfasst. Für Start-ups bietet sich hier die Möglichkeit, Lerneffekte durch den Austausch mit erfahrenen Unternehmern zu ziehen und Such- und Anbahnungskosten für die eigene Kundenbasis zu senken. Für Familienunternehmen wiederum können der Imagegewinn in der Außenwirkung und sinkende Suchkosten für innovative Ideen, Lösungen und Methoden verheißungsvoll sein.

Sieben Formen der Kooperation – eigene Darstellung Weissman & Cie., angelehnt an Deloitte (2017): „Shake it up – Kooperationen zwischen Mittelstand und Start-Ups“ und IfM Bonn (2017): Kooperationen zwischen etabliertem Mittelstand und Start-ups.

Kooperationsmodelle

Diese Kooperationsform geht üblicherweise mit einer Zunahme an vertraglichen Regelungen und schriftlich fixierten Absprachen einher und bezieht sich beispielsweise auf Entwicklungs-, Vertriebs- oder Herstellungskooperationen oder die gemeinsame Nutzung von innerbetrieblichen Ressourcen. Dies kann die Projektkooperation umfassen sowie die Vertragskooperation, die vertragliche Regelungen für entweder längerfristige Projekte oder fixierte Laufzeiten und oftmals Ausschließlichkeitsklauseln, Wettbewerbsbeschränkungen und ähnliches beinhaltet. Familienunternehmen können mittels dieser Kooperationsformen durch den Zugang zu neuen Technologien profitieren, ebenso wie durch das Teilen von Kosten und Risiken sowie die Innovationsorientierung und Agilität, die bestenfalls in die bestehende Organisation ausstrahlt. Für Start-ups können neben der möglicherweise erhöhten Ressourcenverfügbarkeit insbesondere der Reputationsaufbau und ein leichterer Marktzugang über Empfehlungen und gemeinsame Kunden einen starken Hebel zu Skalierung darstellen.

Investitionsmodelle

Die höchste Kooperationsintensität mit dem gleichzeitig höchsten Risiko umfassen diese Modelle. Hier werden die Bande durch finanzielle Beteiligungen der Kooperationspartner enger und meist dauerhafter geknüpft. Dies kann einen erheblichen finanziellen Aufwand des mittelständischen Unternehmens in oder mit einem Start-up gemeinsam bedeuten. Gängige Varianten umfassen hier die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens, die Minderheitsbeteiligung an einem Start-up mit bis zu 50 Prozent der Anteile oder die intensivste Form der Kooperation, nämlich die Übernahme eines Kooperationspartners durch einen Asset- oder Share-Deal mit der anschließenden Integration der übernommenen Gesellschaft. Diese Formen der Kooperationen können für das Start-up einen erheblichen und langfristigen Zugang zu Kapital, Netzwerk und Know-how bedeuten – möglicherweise ohne die eigene Identität aufzugeben, wie dies bei einer Beteiligung durch Konzerne zu befürchten ist. Für Familienunternehmen kann der Nutzen dieser Kooperationsarten im dauerhaften Zugang zu Technologie und zur Erschließung neuer Marktsegmente liegen, ebenso wie im Zugang zu talentierten Experten und Fachkräften.

Mit Unternehmer-Spirit

Wenn treibende Köpfe und Unternehmer auf Seiten der Startups und der mittelständisch geprägten Familienunternehmen ihre vielen Gemeinsamkeiten erkennen und die – gar nicht so großen – Unterschiede und Differenzen überwinden, können für beide Seiten attraktive Kooperationen entstehen mit beidseitig spannenden Synergieeffekten und handfesten Vorteilen. Die momentan sehr günstige gesamtwirtschaftliche Ausgangslage, gebündelt mit der allgemeinen Verfügbarkeit von liquiden Finanzmitteln und dem derzeit herrschenden Gründer- und Start-up-Geist, bietet vielfältige Chancen für Familienunternehmer und Gründer mit dem richtigen Spirit.

Erschienen in: DIE NEWS, 07/2018

 

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Strategie in Zeiten der Veränderung

Metanoia – Warum wir eine radikale Veränderung des Denkens brauchen

Agilität – Agiles Arbeiten, Agile Organisation, Rahmen, Führung

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