22.06.2020 | Autor: Peter Renner | Lesedauer: 3 Minuten

Die Zukunft des Personalbereichs

Von reaktiver Administration zu strategischem Erfolgsfaktor

22.06.2020 | Autor: Peter Renner
Lesedauer: 3 Minuten

In den letzten Jahrzehnten hat sich das Personalwesen und dessen Selbstverständnis grundlegend verändert. Leistungsfähiges und -williges Personal ist heute ein maßgeblicher Faktor für den Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens. Das Personalwesen muss daher integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie sein, sich an den Bedürfnissen von Bewerbern und Mitarbeitern orientieren und die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen.

Autor Peter Renner Senior Berater

Das Personalwesen im Wandel der Zeit

Die Sicht auf das Personalwesen und dessen Selbstverständnis hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert. Früher verstand man unter dem Personalwesen eine größtenteils administrative Funktion, die das angestellte Personal reaktiv verwaltet hat (Lohnbuchhaltung, Vertragsgestaltung, etc.). Diese administrativen Tätigkeiten bestehen heute natürlich weiter, beschreiben aber nur noch einen kleinen Teil der eigentlichen Personalarbeit. In den Fokus rücken strategische Fragestellungen: Welche Bedürfnisse haben unsere Mitarbeiter? Über welche Kanäle erreichen wir junge Talente? Wie gestalten wir eine optimale, leistungsfördernde Arbeitsumgebung?

Dieser Wandel hat seinen Ursprung in veränderten Gegebenheiten, denen Unternehmen heute gegenüberstehen. Zum einen haben sich die gesellschaftlichen Wertevorstellungen verschoben: Mitarbeiter erwarten in ihrer Individualität wahrgenommen zu werden. Sie wollen selbstbestimmt und flexibel arbeiten und legen Wert auf Anerkennung, Vertrauen und Kultur. Geld und materielle Anreize stehen nicht mehr alleinig im Vordergrund.

Zum anderen hat und wird sich die Art unserer Arbeit verändern. Stupide und repetitive Aufgaben werden vermehrt durch Roboter und Algorithmen übernommen. Durch moderne Informations- und Kommunikationswege verkürzen sich Wissenszyklen und erhöhen die Komplexität und Dynamik in der Umwelt. Mitarbeiter müssen sich also stetig weiterentwickeln und vernetzt Denken und Handeln können. Zusätzlich sind aufgrund der Wettbewerbsdichte ebendiese hochqualifizierten Mitarbeiter schwer zu finden und zu halten. Auch dahingehend hat sich der Arbeitsmarkt verändert: Unternehmen gehen heutzutage vermehrt auf Mitarbeitersuche, nicht mehr andersherum.

Vor dem Hintergrund dieser Marktentwicklungen sind Leistungsfähigkeit und -wille der Mitarbeiter maßgeblich für den Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens. Neben rein administrativen Tätigkeiten muss das Personalwesen daher insbesondere die strategischen Rahmenbedingungen schaffen, um hochqualifiziertes Personal zu beschaffen und an das Unternehmen zu binden (Quelle: Haufe Akademie).

Personalmanagement als integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie

Um eine übergeordnete, strategische Perspektive zu erhalten, muss das Personalmanage-ment ein fester Bestandteil im Prozess der Strategieentwicklung sein. Die Strategie gibt vor, in welche Richtung sich ein Unternehmen entwickeln möchte. Doch wenn die notwendigen Kompetenzen bei Führungskräften und Mitarbeitern fehlen, scheitert das beste Konzept spätestens in der Umsetzung.

In einer ganzheitlichen Personalstrategie wird daher festgelegt, welches Anforderungsprofil die Führungskräfte und Mitarbeiter heute und in Zukunft erfüllen müssen. Sobald klar ist, welches Personal benötigt wird (z.B. vermehrt Softwareentwickler), können deren Wünsche und Bedürfnisse abgeleitet werden. Um nun die besten Talente für sich zu gewinnen und halten zu können, muss sich das Unternehmen auf Basis der eigenen Anforderungsprofile und der Bedürfnisse von Bewerbern und Mitarbeitern am Arbeitsmarkt positionieren. Erst wenn die Personalstrategie ausgearbeitet und die gewünschte Positionierung klar ist, können gezielte Personalmaßnahmen entwickelt werden.

Maßnahmen von der Personalrekrutierung bis zur -freisetzung

Während Stellenanzeigen früher über Zeitungsannoncen und schwarze Bretter veröffentlicht wurden, findet die Personalsuche heute beinahe ausschließlich digital statt (z.B. über Jobportale oder soziale Medien). Dabei können integrierte Analysetools in den jeweiligen Kanälen helfen, die Wünsche und Bedürfnisse potenzieller Bewerber besser zu verstehen und deren Verhalten zu analysieren (z.B. welche Inhalte am häufigsten angesehen wurden).

Auch bei der Auswahl der Bewerber werden zunehmend automatisierte Vorauswahlverfahren, Online-Assessment-Center, digitale Tests und Spiele sowie digitale Bewerbungsgespräche eingesetzt. Das spart in den meisten Fällen nicht nur Zeit und Geld, sondern spiegelt auch das Verhalten junger Talente, die überwiegend online unterwegs sind, wieder.

Neben der Personalgewinnung geht es vor allem darum, das bestehende Personal zu halten und weiterzuentwickeln. Auf Basis der Wünsche und Bedürfnisse der Mitarbeiter müssen daher die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um beste Leistungen zu ermöglichen. Beginnend bei der Ausstattung der Mitarbeiter, über die Gestaltung der Büroräume, flexible Arbeitszeitmodelle, individuelle Leistungsanreize bis hin zu Systemen und Tools für virtuelle Zusammenarbeit u.v.m.

Um herauszufinden, ob die getroffenen Maßnahmen das gewünschte Ergebnis erzielen, müssen die Leistung, Führung, Teamdynamik und Mitarbeiterzufriedenheit regelmäßig analysiert werden. Beispielsweise können entsprechende Mitarbeiterumfragen durchgeführt oder Personalkennzahlen erhoben werden. Hierfür gibt es heutzutage sog. „People Analytic“-Tools, die entsprechende Daten und Informationen sammeln und auswerten. Darauf basierend kann die Wirkung der umgesetzten Maßnahmen gemessen und stetig optimiert werden.

Digitale, interaktive Wissensdatenbanken, Online-Schulungen oder Mitarbeiter-Apps ermöglichen es außerdem, Personal immer und überall zu schulen und weiterzubilden. Der Wissensvorsprung gegenüber der Konkurrenz kann in einer komplexen und dynamischen Welt zu erfolgsentscheidenden Wettbewerbsvorteilen führen.

Nicht zuletzt können durch einfache, technologische Möglichkeiten die administrativen Prozesse im Personalwesen weitestgehend digitalisiert werden. Insbesondere regelbasierte, repetitive Aufgaben können zum Beispiel durch „Robotic Process Automation“ automatisiert werden. Somit werden Mitarbeiter des Personalbereichs entlastet und können sich vermehrt auf die strategischen Aufgaben im Personalwesen konzentrieren (vgl. McKinsey & Stifterverband).

Worauf es nun ankommt

Entwickeln Sie eine klare Personalstrategie, aus der sich die heutige und zukünftige Positionierung auf dem Arbeitsmarkt ergibt. Auf Basis dessen lassen sich gezielte Maßnahmen zur Gewinnung, Bindung und Entwicklung von Mitarbeitern ableiten. Sammeln Sie anschließend die notwendigen Daten und Informationen über Bewerber und das eigene Personal, um die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen zu analysieren.

Automatisieren Sie außerdem administrative Tätigkeiten weitestgehend, um Raum für strategische Aufgaben zu schaffen.Welche Ansätze verfolgen Sie heute schon in Ihrem Personalbereich? Welche Herausforderungen begegnen Ihnen dabei?

Beitrag teilen: