17.07.2020 | Autor: Peter Renner | Lesedauer: 3 Minuten

Die Zukunft des Controllings

Von reaktiver Analyse zu proaktivem Erfolgsfaktor

17.07.2020 | Autor: Peter Renner
Lesedauer: 3 Minuten

Insbesondere neue Möglichkeiten in der Datenerhebung, -aufbereitung und -auswertung führen dazu, dass sich die Rolle des Controllings zunehmend verändert. Zum einen werden viele der heute eher administrativen, regelbasierten Tätigkeiten automatisiert, zum anderen können Daten und Kennzahlen über (intelligente) Algorithmen gänzlich neue Einblicke schaffen. Der „typische Controller“ wird sich daher vom Fachmann im Rechnungswesen hin zu einem Fachmann für Daten entwickeln und vermehrt strategische Fragstellungen diskutieren.

Autor Peter Renner Senior Berater

Das Controlling im Wandel der Zeit

Die ersten Aufgaben des Controllings lagen in der Erfolgssicherung und Kostenrechnung, also in der Planung und Kontrolle von Ausgaben und der Sicherung angestrebter Erfolge. Im Laufe der Zeit kümmerte sich das Controlling zusätzlich um die Koordination von Führungssystemen (z.B. Berichterstattung und Bewertung). Mit steigender Individualisierung und Subjektivierung von Führungstätigkeiten, stellte es schließlich auch die Rationalität von Entscheidungen sicher. D.h. das Controlling stützte die subjektive Intuition von Führungskräften durch rationale Auswertungen auf Basis von Daten und Kennzahlen.

Mit neuen Entwicklungen und Möglichkeiten – insbesondere getrieben durch die Digitalisierung – wandelt sich dieses Bild heute erneut. Computer sind um ein Vielfaches leistungsfähiger als noch vor einigen Jahren und die Rechenleistung wird auch in Zukunft exponentiell ansteigen. Außerdem ist es möglich, immer mehr Daten zu immer geringeren Kosten zu speichern – was auch unbedingt notwendig ist, denn nach aktuellen Prognosen wird sich das weltweite Datenaufkommen von 2018 bis 2025 verfünffachen. Seien es Sensoren an Maschinen, Social-Media-Kanäle, GPS-Daten, Finanztransaktionen und viele weitere Quellen: Daten werden nahezu überall generiert. Nicht zuletzt sind wir heutzutage mit fast allem und jedem vernetzt, inklusive der Vernetzung von Maschinen untereinander. Daten sind somit nahezu jederzeit, für jedermann und überall zugänglich. Mithilfe von intelligenten Algorithmen können diese Daten teilweise vollständig automatisiert und in Echtzeit über das gesamte Unternehmen hinweg erhoben, ausgewertet und aufbereitet werden.

Gerade im intensiven Wettbewerb und bei hoher Leistungsdichte im Markt werden ebensolche intelligenten Systeme zu wettbewerbsentscheidenden Vorteilen führen. Gewinner der Digitalisierung werden es verstanden haben, die neuen Möglichkeiten sinnvoll einzusetzen.

Intelligente Unternehmenssteuerung in Echtzeit

Laut einer Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman sind trotz der vielversprechenden Möglichkeiten die bisherigen Auswirkungen der Digitalisierung in der Unternehmenssteuerung noch eher gering. Dabei kann das Controlling durch die Digitalisierung zum Treiber von Wettbewerbsvorteilen werden. Im Folgenden sollen vier Aspekte vorgestellt werden, die grundlegend für eine ganzheitliche und intelligente Unternehmenssteuerung sind:

  1. Automatisierung standardisierter Prozesse: Zeitintensive und mühsame Prozesse zur Erhebung von Daten können beispielsweise durch „Robot Process Automation“ (RPA) nahezu vollständig automatisiert werden. Somit können Mitarbeiter von monotonen und ermüdenden Bürotätigkeiten entlastet werden. Die freigewordene Zeit kann zur Analyse und Interpretation der Daten genutzt werden. Typische Prozesse zur Automatisierung sind die Bearbeitung von Kundenanfragen, die Realisierung von Datenübertragung, das „Web Scraping“, Kundendatenpflege, Lohnbuchhaltung und viele mehr.
  2. Harmonisierung und Vernetzung der Systemlandschaft: Das Ziel sollte es sein, eine einheitliche Plattform für Planung, Reporting und Risikomanagement über das gesamte Unternehmen hinweg zu schaffen. Als Zentrum hierfür dient der sogenannte „Single-Point-of-Truth“ (SPOT). Dies ist ein zentraler Ort, an dem alle Daten zusammenfließen und anschließend geprüft und weiterverarbeitet werden können. Bestenfalls ist dieser „Cloud-basiert“ und der Zugriff somit von verschiedenen Personen, Endgeräten und Orten möglich. Der SPOT stellt das Fundament für die intelligente Auswertung der Daten dar.
  3. Intelligente Datenauswertung: Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) können die enormen Datenmengen ganzheitlich und effizient ausgewertet werden. Datenkategorien können beliebig miteinander in Verbindung gebracht werden und in nahezu Echtzeit zu zielgenauen Forecasts, Planungen und weiteren Reportings führen. KI sucht hierbei nach Mustern und Korrelationen im bestehenden Datenpool und lernt mit jeder neuen Auswertung dazu. Die intelligenten Algorithmen arbeiten höchst effizient und sind dementsprechend skalierbar.
  4. Aufbereitung der Daten: Nicht zuletzt müssen die Auswertungen auf eine benutzerfreundliche Art und Weise dargestellt werden. Je ansprechender und durchdachter, desto besser. Zudem wird empfohlen, unterschiedliche Aggregationsstufen der Darstellungen zu berücksichtigen (z.B. von Darstellungen im Produktionsbetrieb bis hin zum „C-Level“-Dashboard). Mithilfe intuitiver Benutzeroberflächen soll es außerdem möglich sein, Analysen einfach und sofort erstellen zu können, um so agile Entscheidungen auf einer fundierten Informationsbasis treffen zu können.

Das neue Rollenbild des Controllings

Durch diese Entwicklungen und Technologien verändert sich das Rollenbild des Controllers. Er wird sich von einem Fachmann für Rechnungswesen hin zu einem Fachmann für Daten entwickeln und zunehmend strategische Fragestellungen diskutieren.

Analysen und Forecasts werden nicht mehr durch den Menschen, sondern automatisiert und funktionsübergreifend durch Maschinen und intelligente Algorithmen erarbeitet. Die Unternehmenssteuerung wird somit eher auf mathematischen und statistischen Grundlagen bzw. Wahrscheinlichkeiten beruhen. Dies setzt voraus, dass die Daten, auf denen die Berechnungen basieren, von hoher und einheitlicher Qualität sind.

Die Vergangenheitsbetrachtung in klassischen Berichtsperioden wird zukünftig durch agile Echtzeitsteuerung und individualisierte Reportings abgelöst. Entscheidungen können unmittelbar getroffen werden, ohne auf die nötigen Auswertungen warten zu müssen.

Der Controller nimmt in diesem Wandel eine daten- und strategiegetriebene Rolle ein. Er wird weniger reaktiv-analytisch, sondern eher proaktiv-prognostizierend arbeiten (vgl. Horváth & Partners: In Anlehnung an das 29. Stuttgarter Controller-Forum, September 2015). Das Controlling kann somit zu einem zentralen Treiber von Wettbewerbsvorteilen werden.

Welche Maßnahmen zur Optimierung der Unternehmenssteuerung ergreifen Sie? Welche Rolle nimmt das Controlling in Ihrem Unternehmen ein?

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